Laska: Erste Reformschritte des Sozialhilfevollzuges

Wien setzt auf innovative und konsequente Sozialpolitik

Wien, (OTS) Rund 15.000 Wiener Haushalte leben derzeit von Sozialhilfe bzw. beziehen zeitweise diese Unterstützung. Darüber hinaus erhalten etwa 6.000 PensionistInnen Mietbeihilfe aus Sozialhilfemittel. Im Vergleich zu anderen Großstädten ist das eine verschwindend geringe Zahl und einmal mehr ein Zeichen dafür, dass Wien in Fragen der Sozialpolitik stets den richtigen Weg gegangen ist. Die Stadt Wien setzt mit einer Neuorientierung des Sozialhilfevollzuges nun auf noch effizientere Hilfe für die Betroffenen.

Die Anforderungen an das Sozialhilfesystem haben sich in den vergangenen Jahren fundamental verändert. Neue und zum Teil unsichere Arbeitsverhältnisse, strukturelle Veränderungen am Arbeitsmarkt und neue Bevölkerungsschichten, die bisher von Armut und sozialen Problemen verschont geblieben sind, stehen plötzlich vor finanziellen und sozialen Problemen, zu deren Lösung sie des öfteren professionelle Hilfe und materielle Unterstützungen zur Überwindung der Krisen benötigten und erwarten.

Für Vizebürgermeisterin und Sozialstadträtin Grete Laska waren dieser Veränderungen Anlass, im Bereich des Sozialhilfevollzuges wichtige Reformschritte einzulenken. "Um den KlientInnen noch rascher zu einem Wiedereinstieg in die Selbstständigkeit zu verhelfen, müssen wir mit gezielten und innovativen Lösungsansätzen auf die individuellen Gegebenheiten und Problemstellungen der Betroffenen reagieren. Dazu sind zahlreiche wichtige Neuregelungen im Bereich des Sozialhilfevollzuges notwendig", erklärte Laska im Rahmen eines Mediengespräches. "Durch verkürzte Weg und Abläufe sollen die KlientInnen gezieltere Hilfe erhalten", so Laska.****

Die Stadt Wien hat jedoch bereits seit einigen Jahren aktiv auf die veränderten Rahmenbedingungen und die steigende Anzahl von SozialhilfebezieherInnen reagiert. In diesem Zusammenhang entstanden Projekte wie die Jobchance, ein Arbeitsvermittlungsprojekt der start GembH. (Waff), das SozialhilfebezieherInnen recht erfolgreich versucht, wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. So gelang es innerhalb der letzten 2 Jahre ca. 600 SozialhilfebezieherInnen in den Arbeitsprozess zu integrieren. Darüber hinaus hat die Stadt Wien durch die Einführung der flächendeckenden Delogierungsprävention einen Meilenstein in der Verhinderung von Obdachlosigkeit gesetzt.Mit der Reform des Wiener Sozialamtes wird nun ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung eines sozialen Wiens gesetzt. Neben der Reform der Behindertenarbeit, der konsequenten Weiterverfolgung des Wiener Stufenplans im Bereich der Wohnungslosenhilfe wird es vor allem umfangreiche Veränderungen im Wiener Sozialhilfevollzug geben.

Die Neuorientierung des Sozialhilfevollzuges hat vor allem das Ziel, weg von der rein auf Rechtmäßigkeit konzentrierten Verwaltung der Sozialhilfe hin zu einem aktiven und auf Hilfe zur Selbsthilfe gerichtetem Fallmanagement. Es geht dabei um die richtige Kombination von materiellen Hilfen und sozialer Arbeit. Die Qualität und die größere Zielgenauigkeit, Effizienz und Effektivität der Leistungen steht dabei im Vordergrund, wobei die individuellen Bedürfnisse und die Beteiligungsrechte der NutzerInnen nicht vernachlässigt werden.

Ziele der Reform des Wiener Sozialhilfevollzuges

o Verbesserung der KundInnen- und Serviceorientierung: besseres

und übersichtlicheres soziales Leistungsangebot für die Wiener Bevölkerung
o zeitgemäßerer Sozialhilfevollzug, der auf die Probleme der

Menschen in der heutigen Gesellschaft eingeht und somit auch "neue" Gesellschaftsschichten erfasst, die der (zeitweiligen) Hilfe bedürfen
o Restitution der wirtschaftlichen und sozialen Autonomie der

KlientInnen und Verkürzung der Verweilzeiten in der Sozialhilfe durch sozialarbeiterische Beratung und ein umfassendes bzw. "vollständiges" Betreuungsangebot zum Ausstieg aus der Sozialhilfe
o Förderung des Selbsthilfepotentials (Hilfe zur Selbsthilfe und

Verselbstständigung statt eines restriktiven
Sozialhilfevollzugs, der den Drehtüreffekt verstärkt und kaum integrativ und präventiv wirkt)
o rechtzeitig ansetzende und umfassende Hilfestellung im Sinne der

Prävention, Verhinderung eines weiteren sozialen Abgleitens
o stärkere Einbeziehung der NutzerInnen in den Betreuungsprozess

und Orientierung an den KundInnen und deren Bedürfnisse sowie an deren Lebenswelt
o Nutzung von Synergien durch die Zusammenlegung verschiedener

Stellen: Ausweitung der Öffnungszeiten, Dezentralisierung der Mietbeihilfe für PensionistInnen (leichtere Erreichbarkeit, Anträge auf Mietbeihilfe können im Bezirk bzw. in der Region gestellt werden), verbessertes Angebot und kürzere Wege durch Einführung des one-desk-services
o Implementierung des New Public Management-Ansatzes im

Sozialhilfevollzug: Entbürokratisierung, Vereinfachung und Vereinheitlichung von Verwaltungs- und Entscheidungsabläufen, Verlagerung von bisher zentralen Entscheidungskompetenzen an die MitarbeiterInnen der Sozialzentren (Aufwertung der Fachlichkeit und Professionalität der MitarbeiterInnen), outputorientierte Steuerung der Sozialhilfe, Controlling, Führen durch Zielvereinbarung, Einführung eines Qualitätsmanagement
o bessere Arbeitsbedingungen für die MitarbeiterInnen

(zeitgemäßere Ressourcen) und angenehmeres Ambiente für die KlientInnen: Verbesserung der Wartesituation und Installierung einer Rezeption und Infostand, Einführung eines Terminsystems, Ausstattung der Sozialzentren mit zeitgemäßer Bürokommunikation, Schulung und Fortbildung der MitarbeiterInnen.

Geplante Maßnahmen

Neben der Neuorientierung des Wiener Sozialhilfevollzuges (inhaltliche Reform) sind umfangreiche organisatorische Veränderungen und eine Entflechtung der KundInnenkreise geplant. Die Schwerpunkte liegen dabei insbesondere in der:

o Schaffung von zehn regionalen Sozialzentren: Die Sozialzentren

werden soziale Anlaufstelle für Menschen (ohne minderjährige Kinder im gemeinsamen Haushalt) mit sozialen und finanziellen Problemen sein und mit einem breiten Hilfsangebot allen BürgerInnen einer bestimmten Region zur Verfügung stehen. Die Sozialzentren werden die derzeitigen Sozialreferate und Außenstellen sukzessive ersetzen.
o One-desk-service: Zurzeit ist der Sozialhilfevollzug in Wien

aufgeteilt auf 18 Bezirkssozialreferate (finanzielle Aushilfen) und 6 Außenstellen (sozialarbeiterische Beratung und Betreuung). Im Sinne einer stärkeren Orientierung an den KundInnen und deren Bedürfnisse sowie auf Basis moderner Konzeptionen und Ansätze in der sozialen Arbeit ist diese Trennung zwischen Sozialhilfeverwaltung und Sozialarbeit nicht mehr länger aufrechtzuerhalten. Sozialarbeit und Sozialhilfeverwaltung
werden demnach unter einem Dach gemeinsam an Lösungen mit den KlientInnen arbeiten. Doppelte Bürokratien, lange Entscheidungswege und mangelnde Zusammenarbeit der einzelnen Stellen werden durch diese Maßnahmen vermieden und ein weiterer Schritt in Richtung besserer Übersichtlichkeit des sozialen Angebots dieser Stadt gesetzt.
o In den zehn Sozialzentren wird in Hinkunft ein individuelles und

maßgeschneidertes Paket an sozialen Dienstleistungen, das sowohl Beratung und Betreuung als auch die Sozialhilfeverwaltung (materielle Hilfen) beinhaltet, angeboten werden:
o umfassende Erstberatung durch diplomierte SozialarbeiterInnen

zur Abklärung der Problemsituation (Bedürfnis- und Problemanalyse). Prävention und die Hilfe zur Selbsthilfe stehen dabei im Vordergrund. Bei aktuellen Krisen stehen die SozialarbeiterInnen mit Rat und Tat zur Seite (Krisenintervention).
o in einem zweiten Schritt geht es um die gemeinsame Erarbeitung

eines Hilfsplanes und dem Abschluss einer
Betreuungsvereinbarung; die Kooperation mit den KlientInnen
steht dabei im Vordergrund
o Optimierung der Hilfen durch abgestimmte Zusammenarbeit zwischen

Sozialarbeit und Sozialhilfeverwaltung
o Beratung und Betreuung, Organisation von Hilfen, Vernetzung,

Schaffung von Rahmenbedingungen, die Hilfe und Veränderung möglich machen, Abbau von Vermittlungshemmnissen, Verbesserung der Chancen am Arbeitsmarkt: z.B. Schuldnerberatung und
psychische Stützung, um wieder in den Arbeitsprozess integriert zu werden
o Den MitarbeiterInnen der Sozialzentren stehen dabei ein

vielfältiges Angebot von Ressourcen zur Verfügung:
o finanzielle Aushilfen (Sozialhilfe)
o Prekariumswohnungen (Übergangswohnungen)
o Wohnungssicherung (rechtzeitiges) Verhindern von

Wohnungslosigkeit und sozialen Folgeproblemen
o Zugang zu Gemeindewohnung (Befürwortung) für betreute

KlientInnen
o Vertragliche Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen: pro

mente, Caritas, Fonds soziales Wien, Jobchance, etc.
o Gewährung von laufenden Aushilfen: Mietbeihilfe für SeniorInnen,

Dauerleistungen, Geldaushilfen zur Sicherung des Lebensunterhaltes, Krankenhilfe

Der Fachbereich Sozialarbeit und Sozialhilfe

Seit 1.2.2001 gibt es nun den neuen Fachbereich Sozialarbeit und Sozialhilfe, der sich aus folgenden Einrichtungen zusammensetzt:

o 18 Bezirkssozialreferate
o Sozialreferat für Obdachlose
o 6 Außenstellen (Sozialarbeit)
o Referat Krankenhilfe und Sozialversicherungsangelegenheiten
o Referat Mietbeihilfe (für PensionsbezieherInnen)
o Flüchtlingsreferat

In Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen (MAG Elf und bzw. Volkshilfe):

o Fachstelle für Wohnungssicherung (FAWOS)
o Schuldnerberatung

Ziele des Fachbereiches:

o Existenzsicherung: Ziel ist es, durch gezielte

sozialarbeiterische Beratung und Betreuung sowie durch
einmalige, laufende und dauernde finanzielle Unterstützungen (Sozialhilfe) die materielle Absicherung der Hilfesuchenden auf Dauer und nachhaltig zu gewährleisten und zu verhindern, dass
aus vorübergehenden Notsituationen dauernde werden (Prävention). o Integration in den Arbeitsprozess.
o Wohnungssicherung
o Unterstützung bei sozialen Problem- und Krisensituationen (Schluss) bz

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