In der Metalltechnik fehlen über 3.000 Facharbeiter

Bundesinnung der Schlosser, Landmaschinentechniker und Schmiede startet Kommunikationskampagne zur Imagebildung und Nachwuchsförderung

Wien (PWK410) Die Zahl der Gewerbe- und Handwerksbetriebe, die unter dem Fachkräftemangel leiden, nimmt dramatisch zu. Laut einer Umfrage des Instituts für Gewerbe- und Handelsforschung (IfGH) sind bereits ein Drittel der rund 80.000 kleinen und mittleren Unternehmen durch fehlende Fachkräfte in ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt. Besonders krass ist die Situation bei den Schlossern, Landmaschinentechnikern und Schmieden. Über 45% der Betriebe suchen verzweifelt nach qualifizierten Fachkräften. "Wenn die betroffenen Betriebe auch nur einen Facharbeiter zusätzlich aufnehmen wollen, dann fehlen uns mindestens 3.000 qualifizierte Mitarbeiter, wahrscheinlich sogar noch deutlich mehr", stellt Otto Weisleitner, Bundesinnungsmeister der Schlosser, Landmaschinentechniker und Schmiede bei einer Pressekonferenz der Innung fest.

Weisleitner wies darauf hin, dass in Westösterreich bereits hohe Prämien für die Vermittlung von Facharbeitern gezahlt werden. Die Situation wird sich in den nächsten Jahren weiter zuspitzen, wie ein Blick auf die Geburtenbilanz-Prognose zeigt. Durch geburtenschwache Jahrgänge und die Konkurrenz der weiterführenden Schulen werde es immer schwieriger für die Lehre geeignete Jugendliche zu finden.

Um die prekäre Situation am Arbeitskräftemarkt langfristig in den Griff zu bekommen, hat sich die Bundesinnung zu einer bisher einzigartigen Kommunikations-Kampagne entschlossen.

Unter dem Motto "Der Metaller-Herbst" soll das Image der Branche neu positioniert und damit der Nachwuchs in der Branche gesichert werden. In Kinospots, Inseraten in Jugend- und Wirtschaftsmagazinen, Schulflyern an allen 8. und 9. Klassen sowie technischen Fachschulen soll jungen Menschen vor allem eines vermittelt werden: "Dass es in der Metalltechnik zahlreiche Berufe mit Zukunft gibt. Die finanziellen Perspektiven wie auch die soziale Anerkennung sind Fakten, die deutlicher transportiert werden müssen", so Hannes Handle, Inhaber der Agentur Handle Crea(k)tiv, die für die Konzeption der Kampagne verantwortlich ist.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Bewusstseinsmachung alltäglicher Produkte aus der Metalltechnik. "Es gibt so viele banale Dinge im täglichen Gebrauch, über deren Herkunft man nicht nachdenkt. Der Strom kommt ja auch nicht einfach aus der Steckdose. Hier wollen wir die Konsumenten sensibler machen, mit einfachen Visuals wie einer Büroklammer, einer Schere, einem Roboterarm und vieles mehr", so Handle. Ein ergänzender Schwerpunkt liegt neben dem bundesweiten Auftritt vor allem in lokalen Aktivitäten. Landesinnungsmeister und Ausschussmitglieder der Innungen, Unternehmer innerhalb der Branche, werden zu Präsentern. Handle: "Die gesamte Idee, die gesamte Kampagne gehört gemeinsam gelebt".

Die Kampagne kann jedoch nur ein erster Schritt zur Lösung des Facharbeitermangels sein. "Wir brauchen dabei auch die Unterstützung der Politik", so Bundesinnungsmeister Weisleitner. Einen Hauptgrund für das heutige Facharbeiterproblem ortet er in der Einstellung vieler Menschen, dass Hauptschulabgänger Menschen zweiter Klasse mit geringen Zukunftschancen sind. "Das muss korrigiert werden. Der Markt für Uni-Absolventen ist im Gegensatz zu jenem der Facharbeiter praktisch ausgetrocknet. Das Gewerbe braucht keine Manager, sondern Facharbeiter", stellt Weisleitner fest und fordert die Verantwortlichen in der Politik auf, alles dafür zu tun, damit der Zugang zur Lehre wieder attraktiver wird. Unter anderem soll der Lehrabschluss den gleichen Stellenwert wie eine Matura erhalten, um Lehrabsolventen den Zugang zu Fachhochschulen und Universitäten zu erleichtern. Die Meisterprüfung sollte dafür ausreichend sein. Weiters müssen neue Lehrberufe forciert und alte Berufsbilder modernisiert werden.

Auf der betrieblichen Ebene verlangt der Bundesinnungsmeister, dass die Berufsschulzeit nicht mehr vom Lehrbetrieb, sondern von der öffentlichen Hand finanziert wird. "Während ein AHS-Schüler vom Staat jährlich mit 65.000 Schilling gesponsert wird, sind ihm die Lehrlinge gerade einmal 9.000 Schilling wert. Da muss sich rasch etwas ändern, wenn wir das Facharbeiterproblem in den Griff bekommen wollen", ist Weisleitner überzeugt.

Darüber hinaus sollen Arbeitslose besser qualifiziert werden, entweder durch Institute der Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen oder in Betrieben, denen man die Ausbildungskosten ersetzt. Bei den älteren Arbeitnehmern geht die Zeit der Frühpensionierungen zu Ende. Daher müsse nun alles unternommen werden, um sie weiterzubilden und solange als möglich in den Betrieben zu halten. Neue Chancen können sich auch für Frauen ergeben, wenn man das Problem der Kinderbetreuung löst und die Schulung intensiviert.

Auch wenn alle diese Maßnahmen tatsächlich greifen, wird voraussichtlich noch immer eine Lücke bleiben, die nur durch den Zuzug von qualifizierten Ausländern geschlossen werden kann. "Denn eines ist klar: Wenn das Gewerbe und Handwerk nicht die notwendigen Arbeitskräfte bekommt, dann müssen wir mit Einbußen bei unserem Wohlstand rechnen", schloss Weisleitner.

In der Bundesinnung der Schlosser, Landmaschinentechniker und Schmiede sind rund 35.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die 6.300 Mitgliedsbetriebe der Innung bilden jährlich knapp 5.600 Lehrlinge aus. Dreiviertel der Unternehmen haben zwischen 1-9 Beschäftigte.

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