"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Umzug" (von Thomas Götz)

Ausgabe vom 5.6.2001

Graz (OTS) - Fast traut man seinen Augen nicht: Johannes XXIII.,
der Papsts des Konzils, der Mann der Erneuerung der Kirche, wird in einer mittelalterlich anmutenden Umbettungszeremonie im Glassarg über den Petersplatz gezerrt. Doch was wie Hohn auf den Toten klingt, wäre diesem vermutlich ganz normal erschienen.
Am 11. Mai 1959 hatte derselbe Johannes XXIII. die sterblichen Überreste von Pius X. auf dem Petersplatz ausstellen lassen, ehe sie in einer Seitenkapelle des Petersdoms hinter Glas aufgebahrt wurden. Nichts deutet darauf hin, dass der überaus geschätzte Reform-Papst das Spektakel als zeitfremd empfunden hätte. "Heilige", hatte er einst gesagt, "sind Meisterwerke der Gnade des Heiligen Geistes". Meisterwerke soll man auch ausstellen.
Jenseits aller Geschmacksfragen aber ist das große Umzugsfest vom Pfingsttag ein Akt der Wiedergutmachung. Die gemeinsame Seligsprechung von Pius IX., dem reaktionären Papst des I. Vatikankonzils, mit dem weltoffenen Johannes XXIII. hatte im vergangenen Herbst einige Irritationen ausgelöst. Der Pfingstsonntag gehörte nun dem "guten Papst" allein. ****

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