"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ferrari ohne Rauch?" (von Peter Nindler)

Ausgabe vom 1. 6. 2001

Innsbruck (OTS) - Rauchen ist keine Frage der Moral, sondern ausschließlich eine der Gesundheit. Und die Toleranz hat dort ihre Grenzen, wo die Sucht die Nichtraucher passiv vereinnahmt. So treten in Österreich pro Jahr bereits 100 Fälle von Lungenkrebs auf, die durch passives Mitrauchen verursacht werden.

Einmal mehr beherrschten (Gesundheits-)Statistiken und Mahnungen, Vorschläge und Verbotswünsche den gestrigen Weltnichtrauchertag. Trotzdem: Die jährlich 16.000 vorzeitigen Todesfälle durch Zigarettenkonsum mögen für die Raucher noch so ernüchternd sein:

eine Bewusstseinsänderung ist auch in Österreich nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. Der blaue Dunst qualmt sich quer durch die Gesellschaft.

Da lösen sich plötzlich Gegensätze wie Sport und Glimmstängel auf. Tabakgiganten sind die modernen Mäzene von heute. Ohne Marlboro - 1,3 Mrd. S für Ferrari -, Lucky Strike oder West müsste der Formel-1-Zirkus möglicherweise auf die Gokart-Bahn wechseln, weshalb das geplante Werbeverbot für Tabakwaren in der EU naturgemäß torpediert wird. Mit mehr als zehn Werbemilliarden rauchen die Tabakkonzerne den Formel-1-Boliden Leben ein.

Der Memphis-Fußball-Cup in Österreich spielt zweifellos in einer anderen Liga. Doch der Effekt ist der gleiche: Sponsoring bedeutet Breitenwirkung, Fußball transportiert Genuss - in letzter Konsequenz Sucht. Ohne Rauch geht's scheinbar nicht, obwohl Rauc her durchschnittlich auf zwölf wertvolle Lebensjahre verzichten. Aber in der Masse von weltweit 2,2 Milliarden Raucher heißt die Devise: Mich wird's schon nicht treffen. Denkste.

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