"Der kleine Unterschied" von Herbert Geyer

Wirtschaftsblatt-Kommentar

Wien (OTS) - Egal ob Libro, Steiner oder vor einem Jahr Bank Burgenland: Wenn Milliarden in den Sand gesetzt werden, erhebt sich reihum die Frage: Wie gibt's das? Jeder kleine Häuselbauer wird x Mal durchleuchtet, ehe er Kredit bekommt - und den Grossen werfen's die Milliarden nur so nach.

Abgesehen davon, dass in jedem Fall die Ursachen einzeln zu untersuchen sind - in den Fällen Steiner und Bank Burgenland tun das ja auch die Gerichte - stimmt der Vorwurf nicht: Selbstverständlich wird auch, bevor Milliarden fliessen, der Empfänger durch Wirtschaftsprüfer auf Herz und Nieren durchleuchtet. Da wird jede Zahl in der Bilanz hinterfragt, werden Marktanalysen erstellt, Studien angefertigt und unterschiedlichste Szenarien durchgerechnet. Die Prüfung ist um Häuser strenger, als sie ein Kleinschuldner je über sich ergehen lassen müsste. Ein kleiner Unterschied zwischen Häuselbauer und Milliarden-Pleitier besteht allerdings: Wenn der Häuselbauer um einen zweiten Kredit ansucht, wird der Check noch um einiges härter - da genügt nicht mehr die Bürgschaft von Ehefrau und Schwiegervater, da werden auch noch ungeborene Enkel mit in Haftung genommen. Der zweite Milliarden-Investor, der in ein Wachstumsunternehmen einsteigt, wird seine Prüfung hingegen auf den Erkenntnissen der ersten aufbauen - sofern der Prüfer einen klingenden Namen hat. Und ein Dritter, Vierter oder Fünfter wird überhaupt auf eigene Prüfungen verzichten - was soll er auch noch prüfen, wo doch weltweit tätige Treuhandkanzleien bereits die hochfliegenden Pläne ihres Klienten für gut befunden haben.

Wenn's dann kracht - und man muss zugeben: es kracht, gemessen daran, wieviel Geld alljährlich auf den guten Rat von Wirtschaftsprüfern hin in Bewegung gesetzt wird, relativ selten -sind die Prüfer meist aus dem Schneider. Schuld sind dann unvorhergesehene Ereignisse, individuelle Fehler, unabsehbare Marktentwicklungen oder schlicht kriminelle Machenschaften. Und wenn gar nichts anderes mehr hilft, zieht schon mal ein Prüfer seinen Prüfvermerk unter der längst testierten Bilanz zurück - was allerdings bei künftigen Kunden kein besonders gutes Bild macht.

Aus Schaden wird man klug. Und aus Fehlern kann man lernen: Wir sollten uns nicht nur merken, wie Pleiten geendet haben - sondern auch, wessen Expertise an ihrem Anfang stand. (Schluss) hg

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