51. Städtetag: Durch Bürgercard und Internet mehr Bürgerservice

Persönlicher Kontakt bleibt aber wichtig

Wien, (OTS) Auch wenn ernstzunehmende Prognosen dem e-Government-Bereich kontinuierlichen Bedeutungszuwachs voraussagen, bleiben die herkömmlichen Kontaktmöglichkeiten mit der Verwaltung wichtig. Dies war Tenor einer Expertengruppe, die sich am Donnerstag im Rahmen des 51. Österreichischen Städtetages in Villach mit den neuen Informationstechnologien im Dienste der Bürger auseinandersetzte.

Als Quantensprung in der Weiterentwicklung des e-Governments könnte sich die Bürgerkarte, der "elektronische Ausweis" im Behördenkontakt, erweisen, stellte Prof. Dr.Reinhard Posch, vom Institut für Angewandte Informationsverarbeitung und Kommunikationstechnologie der Technischen Universität Graz fest. "Die elektronische Signatur ist der Schlüssel zum e-Government in offenen Netzen", erläuterte der Fachmann weiter, der sich im gleichen Zuge dafür aussprach, die Verunsicherungen, wie auch die Hoffnungen des einzelnen Bürgers, die durch die Einführung einer solchen Servicekarte geweckt würden, sehr ernst zu nehmen. Als wesentliche Voraussetzung nannte er hierbei die verwaltungsinterne Existenz einer klaren und funktionierenden Gesamtstruktur, der sich die Detailziele unterzuordnen hätten. Ziel aller Bestrebungen in Richtung Bürgerkarte müsse es jedenfalls sein, eine gläserne Verwaltung ohne gläsernen Menschen zu schaffen.

Sehr praxisorientierte Tipps und Ratschläge zum Thema userfreundliches Internet bot Mag. Elisabeth Stiftinger, verantwortlich für das Linzer Internet, in ihrem kurzweiligen Redebeitrag. Deutlich hob sie hervor, dass einer gelungenen kommunalen Netz-Präsentation die ernsthafte journalistische, wie kreative Auseinandersetzung mit den spezifischen Erfordernissen dieses Mediums voranzugehen habe. Besonders hob sie den kurzen Lebenszyklus von Internetpräsentationen, die sie mit rund einem Jahr bezifferte, hervor. Nachdrücklich betonte sie auch den notwendigen Unterhaltungscharakter dieses Mediums, dem sich auch Verwaltungen, insofern sie im Netz besucht werden wollen, nicht entziehen könnten. Hinsichtlich der finanziellen Belastungen warnte sie vor der irrigen Annahme, die Kosten allein durch Bannerschaltungen wieder hereinspielen zu können. "Mit diesen können maximal 5-10 Prozent der Ausgaben für eine Website refinanziert werden", so die Kommunikationsexpertin. Die kommunale Linzer Homepage wurde in einem Ranking, durchgeführt von einem deutschen Beratungsunternhemen, als beste deutschsprachige Städte-Homepeage - gleich gefolgt von Wien -gewertet.

Für mehr Gelassenheit in Sachen e-Government plädierte Prof. Dr. Klaus Lenk. Der profunde Verwaltungsexperte der Universität Oldenburg (Deutschland) sprach sich dagegen aus, in den technischen Möglichkeiten des e-Government die alleinige Lösung aller zukünftigen Bürger-Verwaltungs-Kontakte zu sehen. Es gelte vielmehr, die weithin akzeptierte Vorstellung vom virtuellen Rathaus realitätsnah auszudifferenzieren, so Lenk. Laut einer Prognose der Universität Erfurt und der Beratungsfirma Booz, Allen und Hamilton würden im Jahr 2010 in Deutschland nur etwa 40 Prozent aller Haushalte einen Internet-Zugang haben und diesen auch regelmäßig nutzen. Nicht zuletzt deswegen seien die herkömmlichen, insbesondere aber die Kontaktmöglichkeiten via Bürgerämter zu pflegen bzw. auszubauen. Zurückhaltend fiel seine Bewertung hinsichtlich der weithin genutzten Callcenter-Lösungen aus, da hierbei zu oft auf die notwendige Kompetenz der Auskunftspersonen vergessen werde.

Als erfolgreiches und weithin akzeptiertes Beispiel aus dem Bereich des e-Governments stellte Dr. Elisabeth Dearing die bürgerorientierte Website des Bundes help.gv.at dar. Mit 1,8 Millionen Seitenabfragen und 5000 Besuchern pro Tag allein im März dieses Jahres hätte help.gv.at längst seine Tauglichkeit als virtuelle Schnittstelle zwischen der Bevölkerung und der Bundesverwaltung unter Beweis gestellt. Der virtuelle Amtshelfer vernetze insgesamt 12 Bundesministerien, sämtliche Bundesländer, 86 Bezirkshauptmannschaften, 2343 Gemeinden, 14 Statuarstädte, 2381 Standesämter, 142 Polizeiwachstuben, 162 Finanzämter, 23 Magistratische Bezirksämter und 227 Bezirksgerichte. Als Weiterentwicklung des ursprünglichen Behörden-Wegweisers stellte sie Help-Buisness vor, das speziell für Wirtschaftstreibende insgesamt 30 praxisnahe Sachverhalte bereit halte. Als Beitrag gegen den drohenden "digital divide" - also die Aufteilung einer Gesellschaft nach Bevölkerungsteilen mit und ohne Internet-Zugang - nannte sie die Möglichkeit des Trafik-Net, einer im Februar eingegangenen Kooperation von derzeit über 1000 Trafiken und dem Bundesministerium für öffentliche Leistung und Sport. Hierbei besteht für den Einzelnen die Möglichkeit, in der Trafik bestimmte Formulare gegen einen Unkostenbeitrag ausgedruckt zu bekommen.
(Schluss) hch

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