WirtschaftsBlatt-Kommentar von Jens Tschebull

Mut zur Disziplin am Arbeitsplatz Schule

Wien (OTS) - Die Erziehungs- und Schuldebatte in Österreich und Deutschland kann der Wirtschaft nur Recht sein: Wenn altmodische Tugenden wie Fleiss, Ordnung, Disziplin und Umgangsformen einen höheren Stellenwert bekommen, wirkt sich das auch positiv auf das Arbeitsklima aus. In Deutschland hat das sozialdemokratische Bundeskanzlerehepaar Gerhard und Doris Schröder den Sprung über den eigenen Schatten gewagt und populäre Themen aufgegriffen: "Kein Grundrecht auf Faulheit" bzw. "Pflichtbewusstsein und Anstand". In Österreich will Unterrichtsministra Gehrer Eltern, Lehrern und Schülern die Möglichkeit einräumen, sich auf schuleigene Hausordnungen zu einigen. Rot-grüne Kritiker, die mit Beissreflexen reagieren, da der Vorschlag von Regierungsseite kommt, gehen von der für sie erschreckenden Annahme aus, die freie Wahl eines Verhaltenskodex würde automatisch zu mehr Ordnung, Disziplin und Zielstrebigkeit in den Schulen führen. Vermutlich haben sie Recht:
Die experimentierfreudige Kuschelpädagogik der letzten Jahrzehnte hat weniger Freunde als ihre engagierten Vorkämpfer hoffen. Der kulturrevolutionäre Ansatz, Gleichheit zu schaffen, indem man potenzielle Eliten durch Unterforderung proletarisiert, statt zu versuchen, Bildung und Leistung nach oben zu nivellieren, ist offenbar doch nicht mehrheitsfähig. Die Vernachlässigung der äusseren Disziplin - und sei es nur das pünktliche Erscheinen am Arbeitsplatz Schule - lässt auch die Selbstdisziplin verkümmern, die wertvoll für ein geglücktes Leben in einer zivilisierteren Gesellschaft wäre. Leistungsgegner, etwa Studentenvertreter, die sich in breitem Dialekt (und wohl auch in gewisser Selbsterkenntnis) dagegen wehren, als "Elite" angesprochen zu werden, übersehen eines: Die Spassgesellschaft in den wichtigen Jahren der Pubertät und Adoleszenz, macht den Unterschied zwischen den Wenigen, die Leistungsbereitschaft und Manieren von Natur aus oder von daheim mitbekommen, und jenen, die auch in der Schule keine Chance erhalten, diese Tugenden zu erlernen, noch grösser. Die Gegner einer frei gestalteten Hausordnung malen das Schreckgespenst des wiederkehrenden "Rohrstaberls" an die Schultafel. Und wer's nicht glaubt, wird mit der Faschismuskeule erschlagen. (Schluss) JT

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