WirtschaftsBlatt-Kommentar zu Bill Clinton

"Wirtschaftsethiker Clinton" von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Bill Clinton, bis Jänner 2001 Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hat ein zweites politisches Leben begonnen. Seine Rede beim WirtschaftsBlatt-Kongress in Wien hinterliess bei den zahlreichen Teilnehmern aus zwei Gründen einen tiefen Eindruck. Erstens ist Clinton dann, wenn er emotionellen Kontakt zum Publikum findet, ein ausgezeichneter, überzeugender Redner. Zweitens sagte er so viele wichtige und richtige Dinge, dass sich manche Zuhörer fragten: Warum ist er mit diesen Thesen zu einer verantwortungsvollen globalen Wirtschafts- und Friedenspolitik nicht schon in den acht Jahren seiner Präsidentschaft durch die Welt gereist? Ist es das Präsidentenamt, das durch seine innen- und verfassungspolitischen Zwänge einen Menschen hindert, zu sagen und zu tun, was er für nötig hält?

Der Ex-Präsident hat nach seinem Abgang offenbar blitzartig seine ideale politische Nische erkannt und besetzt. Er verfügt über das Wissen und die politische Kompetenz nach achtjähriger Präsidentschaft, hat zugleich aber die Freiheit eines Pensionisten. In dieser Rolle greift er engagiert jene Themen auf, deren sorgsame Behandlung durch die amerikanische Führung die übrige Welt oft schmerzlich vermisst. Beispiele: Mehr Gerechtigkeit im Welthandel auch für die Entwicklungsländer Afrikas; finanzielle Aussstattung des westlichen Stabilitätspaktes für Südosteuropa; weltweiter Klima- und Umweltschutz; Kampf gegen Aids. Clinton unterscheidet sich im Kampf für diese Anliegen von einem Missionar, der bloss zur Umkehr aufruft. Der Ex-Präsident führt handfeste ökonomische Gründe dafür an, dass die Wohlstandsländer aus vitalen eigenen Interessen investieren müssen. Tun sie es nicht, dann wird das Wachstum der Weltbevölkerung Hand in Hand mit einer Verringerung der Zahl der Konsumenten sein, was schnurstracks in die Rezession führt. Zudem wird die westliche Industriewelt durch schwere Umweltschäden unter Druck kommen. Und am Ende, aber viel zu spät, werden Amerikaner und Europäer doch bezahlen müssen, aber zehnmal so viel wie heute.

Clinton macht sich Sorgen um die Welt und erhebt deshalb verantwortliches Handeln zu einem Wirtschaftskriterium. Viele Menschen werden es ihm danken - und hoffen, dass seine Worte auch von seinen Landsleuten in Amerika sowohl gehört als auch Ernst genommen werden. (Schluss) wash.

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