AK Tumpel: Armutsbekämpfung nicht Armutsabmilderung tut Not - (1)

Wien (AK) - Armutsbekämpfung nicht Armutsabmilderung tut Not, forderte heute AK Präsident Herbert Tumpel anläßlich einer gemeinsamen Veranstaltung mit ÖGB, Caritas, Diakonie und Volkshilfe. Immerhin leben rund 900.000 Menschen in Östereich an der Schwelle zur Armut und die Zahl könnte weiter steigen. Erwerbsunterbrechungen und Arbeitslosigkeit treffen immer mehr Erwerbstätige in immer kürzeren Abständen. Dazu kommt noch die steigende Zahl atypischer Beschäftigungsverhältnisse, die oft schlecht bezahlt und ohne ausreichende sozial- und arbeitsrechtliche Absicherung sind. Und viele der von der Regierung gesetzten Maßnahmen belasten die sozial Schwachen stärker als alle anderen Bevölkerungsgruppen, bringen eine Schlechterstellung, kritisierte Tumpel. Der AK Präsident verlangte langfristige Strategien die helfen, Armut präventiv zu bekämpfen. Besondern wichtig ist ihm, den Menschen mehr und bessere Chancen durch Aus- und Weiterbildung zu geben. Tumpel fordert die Regierung auf, die zahlreichen Vorschläge von AK, ÖGB und der Wohlfahrtsverbände definitiv in den Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung aufzunehmen.

Rund 11 Prozent der Bevölkerung liegt beim Pro-Kopf-Einkommen unterhalb der Schwelle von 8.600 Schilling. Damit stehen etwa 900.000 Menschen zumindest am Rande der Armut. Auch der Anstieg der atypischen Beschäftigungsverhältnisse wirkt armutsgefährdend. Die Zahl solcher Arbeitsverhältnisse nahm zuletzt stärker zu als die Erwerbstätigkeit insgesamt. Leiharbeitsverhältnisse stiegen um 17 Prozent, die geringfügige Beschäftigung um knapp 11 Prozent und die Teilzeitbeschäftigungen nahmen um 6 Prozent zu. Viele dieser Arbeitsverhältnisse werden nicht freiwillig angenommen und bieten kein existenzsicherndes Einkommen. Tumpel ist überzeugt, dass Armut nicht allein über Geldleistungen behoben werden kann, sondern ein Bündel an Maßnahmen dafür notwendig ist. Der Bogen reiche von der Verbesserung des Sozialversicherungssystems über den Umbau der Sozialhilfe und der Sicherung eines ausreichenden Angebots von Beschäftigung von der man auch leben kann bis hin zur Forderung nach einem kollektivvertraglichen Mindestlohn von 1.000 Euro. Eine besonders wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Armut wird der Bereich der Aus- und Weiterbildung spielen. Nur wer über entsprechende Qualifikationen verfügt, hat bessere und mehr Chancen im Erwerbsleben. Daneben wird es aber auch wichtig sein, die Menschen im Erwerbsleben zu halten: Unfallverhütung, Gesundheitsvorsorge, altersgerechte Arbeitsplätze - jede dieser Maßnahmen trägt auch dazu bei, das Entstehen von Leid oder Armut zu verhindern.

Kritik übte der AK Präsident an der Regierung, die sich in der Entwicklung von Strategien zur Armutsbekämpfung bislang wenig hat einfallen lassen. In einem Zwischenbericht zum Nationalen Aktionsplans fand sich lediglich eine Aufzählung von armutsbekämpfender Maßnahmen, die lange vor dieser Regierung den österreichischen Sozialstaat ausgezeichnet haben. Neu sie etwa die Behindertenmilliarde dazu gekommen. "Dahinter könnte ich voll stehen, wäre sie nicht das Ergebnis einer unsozialen und ungerechten Kürzung bei den Unfallrenten", erklärte Tumpel. Er erwarte sich von der Regierung, dass sie in einen intensiven Dialog mit den Interessenvertretungen und den Wohlfahrtsverbänden tritt und die Vorschläge der anderen in den Aktionsplan definitv aufnimmt.

(Forts.)

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