Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik/Regierung "Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Sittenwidrige Integration

Ausgabe vom 27. April 2000 Klagenfurt (OTS) - Ausländer, die beabsichtigen, in Österreich Arbeit zu nehmen, oder gar auf die eine oder andere Sozialleistung spekulieren, sollen künftig einen "Integrationsvertrag" abschließen, in dem sie sich verpflichten, Deutsch zu lernen. Auch wenn dies völlig überzogenen, jedoch europaweit gültigen Menschenrechtskonventionen wider spricht, so lässt sich gegen Sprachkenntnisse als solche doch wenig einwenden. Heikel wird die Sache erst dort, wo der Integrationsexperte der Freiheitlichen, Klubobmann Westenthaler, den Ausländern nicht nur ein Deutschstudium zukommen, sondern ihnen auch verpflichtenden Unterricht unter dem Titel "Land und Leute" erteilt wissen will. Bitte, so fragt sich der gelernte Österreicher, was sollen die da von wem lernen? Steht nicht zu befürchten, das mit zunehmenden Studium von Land und Leuten der Wille zur Integration rapide abnimmt? Je besser einer die Leute kennt, denen der Integrationsvertrag eingefallen ist, desto weniger wird ihm Integration in diesem Land bei diesen Leuten ein Anliegen sein. Aber das wird Westenthaler wohl gewusst haben. Ja, deshalb fordert er es ja auch. Wäre es irgendjemanden mit einem "Integrationsvertrag" ernst, dann wüsste er, dass Verträge beidseitig Rechte und Pflichten beinhalten. Auch Integration ist ein "zweiseitiger Prozess". Sie ist einseitig gar nicht möglich. Auch der integrierende Teil, als wir, die "Leute" müssen von denen lernen, die integriert werden wollen. Geschieht dies nicht, bleibt jeder "Integrationsvertrag" sittenwidrig.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
E-Mail: ktzredaktion@apanet.at

Kärntner Tageszeitung

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/KTI