Kuntzl: Rohrstaberl-Erlass entspricht gesellschaftspolitischem Leitbild der Regierung

Antoni: Vorschlag Gehrers zu Verhaltensvereinbarungen ist scheindemokratisch

Wien (SK) "Bei diesem Vorschlag der Regierung geht es nicht um den Ausbau der Mitbestimmung, sondern der Strafreflex soll wieder auferstehen", so SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl heute, Dienstag, im Rahmen einer Pressekonferenz gemeinsam mit dem SPÖ-Bildungssprecher Dieter Antoni und dem Bundesvorsitzenden der Aktion Kritischer Schüler Oliver Prausmüller. Der sogenannte "Rohrstaberl-Erlass" von VP-Unterrichtsministerin Gehrer entspreche dem gesellschaftpolitischem Leitbild der blau-schwarzen Regierung.****

"Gehrer spielt mit gezinkten Karten", kritisierte Kuntzl. Neben dem Anstieg der Klassenschülerzahlen werde die pädagogische Klassenvorstandsstunde gestrichen und externe Schulberater zurückgenommen. Um die Verschlechterung der Schulqualität auszugleichen solle nun mittels Strafandrohungen gearbeitet werden. "Für die SPÖ ist die Schule nicht nur ein Ort des Wissenserwerbes, sondern es geht auch um die Frage des sozialen Lernens", betonte die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin.

"Dass wir dem Schulpaket nicht zustimmen, ist die Unwahrheit", entgegegnete Dieter Antoni den lancierten Behauptungen von Seiten der Regierungsparteien. Die SPÖ werde den sechs Regierungsvorlagen weitgehend zustimmen, allerdings werde man sich gegen jenen Punkt stellen, in dem die Integration nur für Polytechnische Lehrgänge auf die neunte Schulstufe ausgeweitet werden soll, und die SPÖ werde gegen die sogenannte Verhaltensvereinbarung stimmen.

"Wir sind gegen diese Strafphilosophie. Das passt nicht zu moderner Pädagogik", so Antoni. "Dieser Gesetzesantrag ist ein falsches Herangehen. Er stellt ausschließlich das Fehlverhalten des Schülers in den Mittelpunk." Ingesamt könne man den Vorschlag als "scheindemokratisch" bezeichnen. Erziehung dürfe sich nicht nur auf Strafen beschränken.
"Man kann nicht davon ausgehen, dass Verhaltensprobleme per se auf den Schüler zurück zu führen sind."

"Die SPÖ ist für eine Qualitätsentwicklung an den Schulen", betonte der SPÖ-Abgeordnete. Diese Qualitätsentwicklung könne nur gelingen, wenn sich die Schulvereinbarungen auf die Gesamtorganisation der Schule beziehen würden. "Ziel einer Vereinbarung muss es sein, den Schüler in den Mittelpunkt zu stellen. Das Verhalten der Schüler kann geändert werden, wenn die Schüler ein Mitspracherecht in allen Bereichen haben." Darunter würde laut Antoni auch ein Mitspracherecht bezüglich Lehrinhalte und Unterrichtsgestaltung fallen.

"Die SPÖ ist für eine Schulpartnerschaft, allerdings nicht für ein isoliertes Herangehen", konstatierte Antoni. Für den Bereich der Konfliktbewältigung müsste den Lehrenden auch Hilfe von externen Experten zur Verfügung stehen. "Dort wo Schulpartnerschaft funtkioniert, stehen Verhaltensauffälligkeiten nicht mehr im Mittelpunkt", wies Antoni auf die positiven Erfahrungen mit einigen Pilotprojekten hin.

"Der Willkür an den Schulen wird mit diesem Vorschlag Tür und Tor geöffnet", kritisierte Prausmüller. Besonders störend sei, dass nur ein Teil der Schulpartner, nämlich die Schüler mit Sanktionen zu rechnen hätten. "Jetzt schon ist durch Hausordnungen an den Schulen möglich, Fehlverhalten zu bestrafen." Die pädagogische Sinnhaftigkeit der Bestrafungen sei allerdings nicht nachvollziehbar. "Wenn dieser Vorschlag kommt, dann braucht man eine Stärkung der Schüler." Bereits seit einem Jahr würde ein Vorschlag der SPÖ vorliegen, der dies vorsehe. Dieser würde allerdings von Blau-Schwarz blockiert.

"Niemand darf ohne Führerschein Autofahren, an den österreichischen Schulen ist niemand in Konfliktmanagement geschult", so der AKS-Vorsitzende. "Die Unterrichtsministerin spricht immer von Mediation. Was allerdings nicht gesagt wird, ist, dass sich die Lehrer die Ausbildung selbst bezahlen müssen." Dabei handle es sich um Beträge von 50.000 Schilling und mehr. Er fordere deshalb, dass diese Ausbildung von Seiten des Staates finanziert werde. Weiters müsste ein Schüleranwalt implementiert werden. "Die Rechte der Schüler müssen auch transportiert werden." Auch die "Allmacht" des Direktors müsse überdacht werden. Es sei ein unhaltbarer Zustand, dass Exekutive und Legislative in einer Hand vereint wären. Des weiteren müsse der Vorschlag des verpflichtenden LehrerInnenfeedbacks endlich umgesetzt werden. (Schluss) sw

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