"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Friesach: Nicht auf blauen Schultern

Ausgabe vom 08.05.2001

Die Kärntner Landesausstellung "Schauplatz Mittelalter" entwickelte sich vom Start weg zum Hit: Innerhalb einer Woche wurden in Friesach 10.000 Besucher willkommen geheißen. Veranstalter und Organisatoren strahlen; man klopft einander auf die Schultern. Und - natürlich -versucht Landeshauptmann und Kulturreferent Jörg Haider Ausstellungslorbeer um sein Haupt zu winden.

Allerdings: Wäre es nach den hiesigen Freiheitlichen gegangen, dürfte die Landesausstellung gar nicht existieren. War doch Blau seinerzeit dagegen (die ÖVP zum Teil dafür, die SPÖ stand voll und unverrückbar hinter dem Konzept des Friesacher Geschehens). Doch was soll´s: Wen interessieren schon Meinungen und Politik von gestern? Was zählt, ist das Jetzt und Heute. Das Medienzeitalter lebt von der Vergesslichkeit seiner Zeitgenossen.

In diesem Sinn wären die Kärntner Sozialdemokraten schlecht beraten, würden sie am Zustandekommen des Friesacher Geschehens herumnörgeln. Sie tun das auch nicht. Trotzdem sei angemerkt, dass der Zuspruch für "Schauplatz Mittelalter" keineswegs kulturpolitischer Weitsicht des LH zuzuschreiben ist. Der Friesach-Erfolg besitzt viele Väter, ruht beispielsweise auch auf den Schultern achtbarer Vorgängerinnen, nämlich den Ausstellungen in Hüttenberg und Ferlach. Letztere haben das ihre zur Interessensaufbereitung eines großen Teils der Bevölkerung beigetragen - obwohl eingeschränkte Zielgruppenvorgabe (Bergbau, Jagd) vorlag. Haider hat zum Gelingen der Schau wenig beigetragen, versucht indes zu ernten, was andere gesät haben.

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