WirtschaftsBlatt-Kommentar zur Abfertigung von Erwin Frasl. Die Abfertigungsdebatte weckt neue Begehrlichkeiten

Wien (OTS) - Die von der Regierung eröffnete Abfertigungsdebatte hat die Begehrlichkeit aller Beteiligten kräftig angestachelt: Die Gewerkschaft möchte allfällige Änderungen nützen, um eine Abfertigung auch bei Selbstkündigung zu etablieren. Obendrein soll eine Abfertigung nach ÖGB-Vorstellungen bereits ab dem ersten Tag eines Arbeitnehmers im Betrieb fällig werden. Beide Forderungen finden auch bei Grünen und Teilen der FPÖ Befürworter.

Das Gewerbe möchte für zehn Jahre einen Hilfsfonds, in den grosse Unternehmen einzahlen, um damit Kleinbetriebe finanziell zu unterstützen.

Und die Versicherungen wehren sich dagegen, dass die Regierung das Geschäft mit einer reformierten Abfertigung vor allem den Pensionskassen zukommen lassen möchte. Dabei muss jede Reform des Abfertigungssystems von drei Grundpfeilern ausgehen: Zum ersten darf sie den Unternehmen keine zusätzlichen Belastungen aufbürden. Der zweite Grundpfeiler muss darin bestehen, dass auch eine reformierte Abfertigung ihre bisherige finanzielle Absicherung von Arbeitnehmern im Falle von Arbeitslosigkeit erfüllt. Es darf nicht sein, dass die Vorsorge für dieses Risiko wiederum dem Staat aufgehalst wird. Und der dritte Grundpfeiler muss darin bestehen, dass für alle EU-Finanzdienstleister mit entsprechend seriösen Vorsorgeprodukten der Zugang zu diesem Milliardenmarkt gesichert wird. Im Rahmen dieser Grundpfeiler gibt es durchaus gute Gründe für eine Erneuerung des Abfertigungssystems, wie etwa eine Erhöhung der Mobilität der Arbeitnehmer.

Obendrein könnte eine Reform dafür sorgen, dass die Abfertigung in eine notwendige Verbesserung der Altersvorsorge umgeleitet wird. Indem etwa Abfertigungen in Betriebspensionen umgewandelt und diese beim Jobwechsel zum neuen Arbeitgeber mitgenommen werden können. Bei derartigen Modellen muss aber gewährleistet sein, dass ein gekündigter Arbeitnehmer auf dieses Geld zugreifen kann. Um die Begehrlichkeit aller Betroffenen bei allen anderen Fragen zu dämpfen, sollten sich die Sozialpartner zumindest für drei Jahre auf eine Obergrenze bei den Kosten für ein neues Abfertigungssystem einigen.

Denn wird dieses System überzogen, können wir die Konsequenzen in der Insolvenzstatistik nachlesen. Und insolvente Unternehmen können oft weder eine Abfertigung neu noch eine Abfertigung alt zahlen. (Schluss) ejf

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