WWF: Zweifelhaftes Ökosiegel am österreichischen Holzmarkt

Studie: Holz"gütesiegel" PEFC ist rechtswidrig und garantiert keine ökologische Waldwirtschaft

Wien (OTS) Das Holzzertifikat PEFC (Paneuropean Forest-Certification), das naturverträgliche Waldbewirtschaftung auszeichnen soll, widerspricht österreichischem Recht. Das ist das Ergebnis einer Studie der Wirtschaft suniversität Wien, die der WWF heute vorstellt. Darüber hinaus - so belegt eine zweite, internationale Studie - setzt das PEFC keine ökologischen Standards und garantiert keine ausreichende Kontrolle. "Es ist nicht auszuschließen, dass der umweltbewusste Konsument PEFC-ausgezeichnete Holzprodukte erwirbt, die aus nicht ökologischer Forstwirtschaft stammen. Es muss vermieden werden, dass am österreichischen Holzmarkt Ökoschwindel betrieben werden kann!" kritisiert DI Gerald Steindlegger, Waldexperte des WWF Österreich.

Die PEFC-Zertifizierung wird in Österreich von den Waldbesitzerverbänden und Landwirtschaftskammern propagiert und von der Papierindustrie mitfinanziert. Das PEFC-Gütesiegel soll dem kritischen und umweltbewusste n Konsumenten nachweisen, dass das gekennzeichnete Holz aus einer ökologisch und sozial verträglichen Waldwirtschaft stammt. Dieser Anspruch wird jetzt durch zwei neue Studien erheblich in Frage gestellt.

PEFC ist rechtswidrig Die heute vorgestellte Studie der Wirtschaftsuniversität Wien stellt fest, das PEFC österreichischem Recht widerspricht: Die Namen der Waldbesitzer, die im Zuge der Regionenzertifizierung nicht am PEFC teilnehmen wollen, werden auf einer "schwarzen Liste" gesammelt und auf Anfrage an die Holzindustrie weitergeleitet. Dies ist eine Anschwärzung und verstößt gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (Par. 7 UWG). Darüber hinaus stellt die Studie fest, die von den Landwirtschaftskammern veröffentlichten Artikel über PEFC eine "Täuschung über Werbemaßnahmen" und eine "sittenwidrige werbliche Belästigung" darstellen.

"Überdies gehen die Waldbesitzer mit der Unterzeichnung des "Schlussbriefes", mit dem sie PEFC ,beitreten', zivilrechtlich keinen gültigen Vertrag mit PEFC ein", erklärt Studienautor Mag. Stephan Größ vom Institut für Bürgerliches Recht, Handels- und Wertpapierrecht der Wirtschaftsuniversität Wien. Es ist daher völlig unklar, wie Verstöße gegen die Kriterien des Zertifikates auf betrieblicher Ebene überprüft und geahndet werden können. "Damit fehlt dem Zertifikat PEFC ein wesentliches Merkmal eines glaubwürdigen Gütesiegels", kritisiert DI Steindlegger.

Ökoschwindel
PEFC wird von den internationalen Umweltorganisationen (wie WWF und Greenpeace), von Konsumentenverbänden und von österreichischen Umweltverbänden wie dem Naturschutzbund abgelehnt. Eine neue internationa le Studie des WWF erkennt folgende schwere Schwächen:

- Keine ökologischen Mindeststandards: Es gibt keine ausreichenden Bestimmungen für den Schutz von besonders wertvollen Waldflächen, für die Größe von Kahlschlägen, für die Ausbringun g von Pestiziden, etc. Durch PEFC kann auch Holz aus Raubbau ausgezeichnet werden.

- Mangelhafte Kontrolle: Der einzelne Inhaber eines Zertifikats bestimmt Größe und Ort der Stichprobenflächen selbst mit.

- Umweltorganisationen und soziale Verbände haben im europäischen PEFC-Council kein Stimmrecht, die Entscheidungen werden von Vertretern der Forst- und Holzwirtschaft selbst gefällt.

Erste Region in Österreich PEFC-zertifiziert

Mittlerweile wurden in ganz Europa Zertifizierungen nach PEFC durchgeführt, so im letzten Jahr bei 95% der finnischen Wälder. Seither wurden dort bereits mehr als 60 Verstöße gegen eine natur-und sozialverträgliche Waldbewirtschaftung nachgewiesen. Auch der ersten von neun österreichischen Regionen (Steiermark/ Kärnten) wurde das Siegel bereits verliehen. Die einzelnen Forste wurden nicht geprüft, die 11.500 betroffenen Waldbesitzer nicht ausreichend informiert. "Das ist für mich der gleiche Betrug und die gleiche Infamie, als würden alle Bauern einer Region automatisch zu Biobauern erklärt werden", kritisiert der "mitzertifizierte" Waldbauer DI Gerhard Conrad aus der Steiermark.

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