Öffentliche Stigmatisierung von PatientInnen durch die Krankenkasse

Zum Datenschutzskandal bei der WGKK

Wien (OTS) - Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) hatte bis vor wenigen Tagen auf ihren allgemein zugänglichen Internetseiten über längere Zeit ein Rundschreiben an Vertragsärzte veröffentlicht, in dem zahlreiche PatientInnen unter voller Nennung von Namen, Adresse und Versicherungsnummer beschuldigt wurden, sich Rezepte erschleichen (Suchtkranke) oder sich ohne Versicherung ärztliche Hilfe verschaffen zu wollen (Ausländerin mit unerfülltem Kinderwunsch).

Das Bekanntwerden dieses Sachverhalts gab auch Anlaß zu Diskussionen auf der Homepage des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP). Die WGKK reagierte darauf, indem sie diese Internetseite still und heimlich verschwinden ließ.

Der ÖBVP, die berufsständische Vertretung der PsychotherapeutInnen, will und darf dazu nicht schweigen! Es gilt diese Diskriminierung zu benennen und auch öffentlich zu machen.

Gerade als PsychotherapeutInnen müssen wir aus Verantwortung gegenüber Menschen mit psychischen Leiden, mit denen wir arbeiten, handeln: Es gibt Verhaltensweisen bzw. Befindlichkeiten im Zusammenhang mit psychischen Leiden, die bedauerlicherweise immer noch von der Gesellschaft belächelt, ausgegrenzt und diffamiert werden. Dieser jüngste Vorfall zeigt, wie schnell und leichtfertig genau diese Aspekte von Krankheitsbildern dann in sanktionierenden öffentlichen "Warnungen" an den Pranger gestellt werden.

Die Gewährleistung von Datenschutz im Zusammenhang mit Psychotherapie:

Die Mißachtung des Datenschutzes von seiten der WGKK bestätigt die Verhandlungslinie des ÖBVP: Bei der Verankerung von Psychotherapie im Gesundheitswesen müssen wesentliche Momente psychotherapeutischer Behandlung berücksichtigt und somit auch gesichert werden:

Psychotherapie braucht den geschützten "therapeutischen Raum" -wie dies auch in der gesetzlichen Schweigepflicht der PsychotherapeutInnen eindeutig verankert ist und garantiert wird. Es bedarf aber auch äußerster Zurückhaltung und eines verantwortlichen Umgangs mit personenbezogenem Datenmaterial seitens der Krankenkassen.

Es ist gerade das einseitige und überzogene Kontrollbedürfnis der Kassen, das uns über die letzten Jahre immer wieder mit neuen Forderungen nach Sammeln von Daten und Therapieangaben konfrontiert hat, und das im Namen einer fragwürdigen "Qualitätssicherung".

Sachlich sinnvolle Bestrebungen zur Qualitätssicherung in der Psychotherapie einerseits und reine Datensammelei bei den Krankenkassen zu Kontrollzwecken andererseits sind miteinander nicht vereinbar und bedürfen einer klaren Trennung.

In diesem Sinne müssen die Verantwortlichen in den Kassen zu einem längst fälligen Umdenken angehalten werden: Statt blinder Kontrollwut braucht es ein Verständnis für tatsächliche Anforderungen moderner Gesundheitspolitik und im Fall der Psychotherapie das Etablieren von Rahmenbedingungen, die eine nach fachlichen Standards förderliche therapeutische Beziehung ermöglichen.

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