"Kleine Zeitung" Kommentar: "Länger arbeiten" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 03.05.2001

Graz (OTS) - Es gehört zu Wolfgang Schüssels Schalldämpferpolitik, dass er Bomben gern rauchlos in Nebensätzen zündet. So war es beim Neujahrstreffen, als er die Neutralität beiläufig für unzeitgemäß erklärte. Und so war es jetzt am 1. Mai, als der Kanzler dafür plädierte, alle Österreicher künftig "bis 65 arbeiten" zu lassen.

Was Schüssel verhieß, fällt unter die Kategorie "grundvernünftig, aber furchtbar unpopulär". Also erwiderte die FPÖ: Kein Thema. Nicht viel intelligenter tönte der Aufschrei der Opposition.

Beide leugnen, was Experten predigen: Da wir in einer alternden Gesellschaft leben, die null Bock auf Kinder hat, aber sich immer länger des Daseins erfreut, gerät das Verhältnis der Erwerbstätigen zu den Ruhenden aus dem Lot - auf Kosten der nachfolgenden Generationen.

Wenn uns deren Los nicht einerlei ist, werden wir, wenn wir länger leben, halt auch ein Stück länger arbeiten müssen. Tun wir ungern:
Obwohl das gesetzliche Antrittsalter bei 65 liegt, gehen die Österreicher im Schnitt mit 57 in Pension. Einem Fliesenleger, der seit dem 16. Lebenjahr auszehrende Fron verrichtet, sei das auch weiterhin vergönnt.

Für alle anderen sollten Gesetz und Wirklichkeit endlich eins werden.

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