"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Sprungbrett Kultur" (von Peter Plaikner)

Ausgabe vom 28. 4. 2001

Innsbruck (OTS) - Die Vorzeichen konnten kaum unterschiedlicher sein: Als Günther Platter Tiroler Kulturlandesrat wurde, brandete ihm die geballte Skepsis der künftigen Klientel entgegen. Denn der Oberländer Ex-Gendarm war nie im Dunstkreis von Kunst & C o.

Andreas Mailath-Pokorny dagegen wird seit seiner Ernennung zum Wiener Kulturstadtrat mit Vorablob überhäuft. Der schöngeistige Politbürokrat gilt als Teil jenes gesellschaftlichen Biotops, dessen Wohl er nun noch mehr mitbestimmt. Der smarte Experte signalisiert Offenheit und will den Stellenwert des Politischen erhöhen. Unausgesprochener Hintergrund: Die rote Kulturgestaltung der Metropole muss anders sein als als die schwarzblaue des Bundes. Pragmatiker Platter dagegen ließ sich zum Start von Staatssekretär Morak und Landeshauptmann Weingartner flankieren. Beabsichtigtes Signal: Gute Drähte nach außen und oben können der Provinzkultur nur nutzen. Nach einem halben Jahr im Amt hat der zu früh gescholtene Platter bereits erreicht, was der zu schnell gerühmte Mailath-Pokorny erst beweisen muss: Er wird als offener Ansprechpartner durchwegs hoch geschätzt. Dieses Kunst-Stück gelingt dem Marathonläufer durch Ausdauer. Er pflegt landauf landab Kontakt - mit kleinen Initiativen und großen Institutionen. Dabei hört der Nicht- Insider vor allem zu. Seine Gesprächspartner werten dies als politische Ausnahme und fühlen sich verstanden.

So sammelt der auch für Sport zuständige Landesrat - ohne wirklich Akzente zu setzen - in atemberaubendem Tempo Freunde und Aufmerksamkeit. Sollte er einmal glauben, davon ausreichend zu haben, könnte es eng werden. Und zwar weniger in Kultur- als in Mac htfragen. Während andere sich blockierten, hat er sich profiliert.

Günther Platter ließ sich in der Landeshauptmannfrage noch nie aus der Reserve locken. Doch er ist schon eine Reserve. Weil er Dienstleistung vor Ideologie stellt, gerät er sachpolitisch kaum ins Schussfeld. Dadurch bleibt die Bahn frei zur öffentlichen Persönlichkeitspflege.

Kein anderes Ressort bietet solche Entfaltungsmöglichkeiten. Sie lassen sich sogar ohne Charisma nützen.

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