FORMAT-Interview mit Bundeskanzler Schüssel: ÖVP-Kanzler kritisiert ORF-Spitze scharf wegen des Widerstandes gegen das neue ORF-Gesetz.

Schüssel: "Das ist eine Bankrotterklärung des ORF"

Wien (OTS) - In einem Interview mit dem morgen Samstag
erscheinenden Nachrichtenmagazin FORMAT übt Bundeskanzler Wolfgang Schüssel scharfe Kritik an der ORF-Führung, die wegen des neuen ORF-Gesetzes der Regierung Werbe-Einnahmenverluste in Milliardenhöhe befürchtet. Schüssel im FORMAT-Interview: "Unser neues ORF-Gesetz bringt eine klare Abgrenzung zwischen öffentlich-rechtlichem Fernsehen und Privat-TV. Das Gesetz ist eine saubere Geschichte mit klaren Richtlinien, was der ORF darf und was er nicht darf. Ich möchte einen österreichischen und identitätsstiftenden Sender, der Qualität liefert und wirtschaftliche Grundvoraussetzungen zum Überleben hat. Und daneben soll es gesamtösterreichisches Privatfernsehen geben."

Schüssel zum Vorwurf, sein "Reinheitsgebot" bedrohe den ORF wirtschaftlich: "In der Hauptabendzeit zwischen 18 und 22 Uhr muß sich zumindest ein anspruchsvolles Programm finden. Wenn die ORF-Geschäftsführung prognostiziert, daß sie dadurch 250 bis 500 Millionen Schilling an Werbeeinnahmen verliert, dann ist das eine Bankrotterklärung. Denn das hieße, der ORF gibt implizit zu, daß er sieben Tage in der Woche zur Prime-Time kein anspruchsvolles Programm sendet. Das ist in Wirklichkeit die Bankrotterklärung für den Anspruch des ORF, Qualität auch heute schon zu senden." Schüssel weiter: "Als Hörer und Seher erwarte ich mir Qualität, dafür zahle ich ja Gebühren. Es wird wohl möglich sein, in einer Zeit von insgesamt vier Stunden eine dreiviertel Stunde mit einem Qualitätsprogramm zu füllen." Die Regierung hätte ja auch, so Schüssel, "den ORF verkaufen können. In der SPÖ hat ja Andreas Rudas sehr mit der Idee geliebäugelt, einen ORF-Kanal zu verkaufen. Ich aber möchte einen Sender, der Qualität liefert."

Zur Einführung von Privat-TV in Österreich sagt der Bundeskanzler:
"Von Spanien bis Osteuropa ist der Markt herzlich eingeladen, diese Möglichkeit zu nützen. Und wenn es niemanden gibt, der sein gutes Geld einsetzen will, ist es auch in Ordnung. Aber ich bin zuversichtlich: Es wird schon Bewerber geben." Die Frage ob ORF-Generalintendant Gerhard Weis noch einmal die Führung des ORF übernehmen soll, läßt Schüssel betont kühl offen: "Darüber hat der Stiftungsrat zu entscheiden."

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Andreas Weber,
FORMAT-Innenpolitik
Tel.: 0664 302 73 27

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FMT/OTS