WirtschaftsBlatt-Kommentar zu Personalspekulationen von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Personalspekulationen gehören zu den liebsten
Inhalten von Medien. Sie vermitteln den Anschein von Insiderwissen, ohne besonderen Sachverstand zu erfordern. Sie unterhalten den Leser, der die Namen kennt (zumindest von früheren Personalspekulationen). Und man kann sie ohne besonderes Risiko anstellen - man kann ja später immer noch erklären, warum und von wem der heisse Tipp im letzten Moment doch noch verhindert wurde. Bekannte Namen erhöhen den Reiz dieses Spiels - und erleichtern es auch für nicht gar so kundige Spekulanten. Seit vergangenem Dienstag ist endgültig fix, dass ÖBB-Chef Helmut Draxler auf Jobsuche geschickt wird. Draxler ist ein Name, den mittlerweile jeder Personalspekulant kennt (auch wenn ihn das News manchmal noch mit "T" schreibt). Der Name beflügelt. So soll gerüchtehalber demnächst der Chefsessel der Linz AG frei werden. Aus dem Vorgänger-Unternehmen ESG war Draxler ja in die ÖBB gestartet -was liegt näher, als ihn jetzt wieder dorthin zu vermitteln? Schon seit Monaten wird Draxler auch mit der Siemens AG in Verbindung gebracht, mit der ihn der Taurus-Milliardenauftrag verbindet, den er als ÖBB-Chef vergeben hat. Wer die Person Draxler ein bisschen näher kennt, weiss allerdings auch, dass gerade diese Bezüge, die den jeweiligen Job so plausibel machen, die Wahrscheinlichkeit verringern, dass er ihn auch wirklich annimmt. Leute, die Draxler besser kennen, vermuten, dass er etwas völlig Neues beginnt - etwa als professioneller Sanierer in einem Unternehmen, das desolate Firmen aufkauft und für einen späteren Verkauf herausputzt. Aber spekuliert darf werden. Ein Treppenwitz ist, dass Draxler durch seine Ablösung gerade jene Ministerin mitreissen könnte, die ihn in die Wüste geschickt hat: Monika Forstinger hat sich mit der Vorstandsbestellung bei Nacht und Nebel ohne Rücksprache mit ihren Regierungskollegen sicher keine neuen Freunde erworben. Im jüngsten News ist zu lesen, dass Jörg Haider (der ihr öffentlich zu dieser Personalentscheidung gratuliert hat) binnen zwei Wochen ihren Kopf fordert. Haiders Nachfolgefavorit soll der Weltbank-Manager Robert Holzmann sein. Falls es nicht wahr ist, können wir wenigstens in zwei Wochen lesen, wie und warum sich Susanne Riess-Passer dem Wunsch ihres einfachsten Parteimitglieds widersetzt hat. Und das ist mindestens genauso spannend. (Schluss)

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstelefon: 91919-305

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS