Resolution des Österreichischen Filmproduzentenverbandes aafp und dem Verband der Filmregisseure Österreichs zum Begutachtungsentwurf ORF-Gesetz

Wien (OTS) - Der vorliegende Begutachtungsentwurf zum ORF-Gesetz geht aus Sicht der heimischen Filmproduzenten/Regieverbandes völlig an den realen Bedürfnissen für eine moderne im deutschsprachigen Raum konkurrenzfähige Sendeanstalt vorbei. Die Beschränkungen und Auflagen bei Programm und Werbung schwächen die finanziellen Kapazitäten zur Produktionswirtschaft massiv ein und lassen so eine eigenständige, unverwechselbare Programmentfaltung der Filmwirtschaft für den ORF nicht mehr zu. Gleichzeitig ist nicht erwartbar, dass neue TV- Programmanbieter entstünden, die den "deutschsprachigen Regionalmarkt Österreich" mit substanziellen Produktionsaufträgen beleben können. Die zur Aufrechterhaltung einer heimischen Filmwirtschaft notwendigen Gelder sind akut gefährdet. Verschärft wird diese Gefahr durch den gleichzeitigen Ausfall der zugesagten Kompensation der Gebührenbefreiungen durch die Bundesregierung (sog. "Transferleistungen") an den ORF, welche direkte Mittel für die heimische Filmproduktionswirtschaft darstellen sollten.

Konkret fordern die Unterzeichnenden:

1. Die Erhaltung der vielschichtigen Publikumsorientierung des ORF

Par. 4. Programmauftrag
Die Einflussnahme auf Programmschemen und Inhalte durch den Gesetzgeber, wie hier aufgeführt, lässt eine konkurrenzfähige Führung des ORF nicht zu. Hier muss einmal mehr auf die deutschsprachige Medienlandschaft verwiesen werden, in die der ORF gedanklich einzugliedern ist und daher ein losgelöstes Management gar nicht möglich macht, will man nicht gleichzeitig auf existenziell wichtige Programme, die durch Koproduktionen erst finanzierbar werden, gänzlich verzichten. (zB.: Schlosshotel Orth, Julia - eine ungewöhnliche Frau, Kommissar Rex, Medicopter, uvm.)

2. Keine Einschränkung der derzeitigen Werbepotentiale

Die Filmproduzenten/Regisseure sind der Auffassung, dass die vorgeschlagenen Einschränkungen nur negative Konsequenzen nach sich ziehen. Weder ist zu erwarten, dass Werbepotentiale innerhalb Österreichs zur Umverteilung kommen die filmwirtschaftliche Effekte erzielen, noch darf man auf eine österreichische Wertschöpfung setzen, da ausländische Unternehmen standby und volladjustiert auf diese Möglichkeit warten.

Völlig auszuschließen wäre es dann auch, weiterhin rein österreichisch ausgerichtete Produktionen, die allein oder mehrheitlich durch den ORF finanziert werden, in spürbarem Umfang zu produzieren (zB.:Trautmann, Nestroy, Polt muss weinen, uvm.)

3. Die Filmproduzenten/Regisseure legen großen Wert darauf, dass Unterbrecherwerbungen bei Kino und Fernsehfilmen weiterhin verboten bleiben. Selbst die Möglichkeit lt. Par. 5 Abs. 4 zulässige "Unterbrecherwerbung" bei Kinofilmen und Fernsehfilmen im Spartenprogramm wird abgelehnt.

Die Filmproduzenten/Regisseure sind der Auffassung, dass der Aufrechterhaltung dieses Verbots für die Unverwechselbarkeit des ORF im direkten Vergleich mit seinen Konkurrenten eine wesentliche Bedeutung zukommt.

Abschließend muss aus Sicht der heimischen Filmproduzenten/Regisseure noch einmal ausdrücklich auf die bedrohliche Situation hingewiesen werden.

In einer Zeit, wo auf die identitätsstiftenden Programme österreichischer Filmschaffender und Produzenten international vermehrt zugegriffen wird, laufen wir Gefahr, solche Programme nicht mehr finanzieren und herstellen zu können, da der ORF als ein unverzichtbarer Partner für die Finanzierung zur Filmherstellung in Frage gestellt wird.

Eine Bedachtnahme auf diesen Umstand und eine auf die Erhaltung der heimischen Filmwirtschaft ebenso ausgerichtete Gesetzgebung für den ORF sehen Filmproduzenten/Regisseure keinesfalls in diesem Entwurf erfüllt und erwarten daher vom Gesetzgeber, dass diesen Einwänden Rechnung getragen wird.

Im Namen des aafp Verband der Regisseure
Danny Krausz Michael Kreihsl
Helmut Grasser Dieter Berner
Kurt J. Mrkwicka Diego Donnhofer
Prof. Peter A. Mayer Wolfgang Glück
Dieter Pochlatko Niki List
Michael Wolkenstein Harald Sicheritz
Dr. Veit Heiduschka

sowie: Harald Krassnitzer

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