ORF-Enquete "Lebens-Mittel": Mit Augenmaß der Verunsicherung entgegenwirken

Bundesminister Wilhelm Molterer, Josef Riegler und ORF-Generalintendant Gerhard Weis zur Zukunft der Nahrung

Wien (OTS) - Mehr Verhältnismäßigkeit und Augenmaß in der Berichterstattung über aktuelle Lebensmittelkrisen fordert ORF-Generalintendant Gerhard Weis. Im Rahmen der ORF-Enquete mit dem Titel "Lebens-Mittel: Trends in der Produktion, im Handel und im Konsum" am Donnerstag, dem 26. April 2001, im ORF-Zentrum Wien sagte Weis, nur so könnten die Medien dazu beitragen, der derzeitigen Verunsicherung der Konsumenten, beispielsweise in Bezug auf BSE, entgegenzuwirken. Auch Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer und Josef Riegler, der Präsident des Ökosozialen Forums, skizzierten ihre Vorstellungen, wie die aktuellen Krisen auf dem Lebensmittelsektor zu bewältigen sein könnten. Gemeinsam mit dem ORF hatten das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und das Ökosoziale Forum die Enquete organisiert.

Generalintendant Weis: "Katastrophenstimmung abbauen"

Es sei fast eine gewisse "Katastrophenstimmung" zu spüren, so Generalintendant Weis. Diese abzubauen sei ein erklärtes Ziel der Enquete, die von Dr. Gisela Hopfmüller (ORF) moderiert wird. Eine hochkarätige Teilnehmerriege aus Politik, Wirtschaft und Landwirtschaft wird noch bis heute Nachmittag im ORF-Zentrum über neue Grundlagen für die Zukunft des "täglichen Brotes" diskutieren. Außerdem nehmen zahlreiche Ernährungswissenschaftler, Verbraucherschützer und Gastronomen an der Enquete teil. Der ORF will mit der Veranstaltung seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag Rechnung tragen und eine Plattform für gesellschaftlich wichtige Diskurse bieten.
Neue Perspektiven müssten vermittelt werden, um der Verunsicherung unter den Konsumenten entgegenzuwirken, legte Generalintendant Weis den Enquete-Teilnehmern ans Herz. An dieser Verunsicherung seien Presse, Rundfunk und Fernsehen nicht unschuldig, denn ein entscheidender Teil der journalistischen Arbeit sei der Suche nach der "ultimativen Sicherheit" gewidmet, nach der die postmoderne Gesellschaft nachdrücklich verlange. Doch diese "ultimative Sicherheit" gebe es nicht.
Statt nun aber das Schlimmstmögliche zu prognostizieren, wäre es nach Weis´ Ansicht ehrlicher, die Verhältnismäßigkeit zu wahren und zuzugeben, "dass man´s eben nicht weiß". Verbrauchern, Berichterstattern und Experten empfiehlt der Generalintendant zudem, Lebensmittelproduzenten ein gewisses Vertrauen entgegenzubringen. Man dürfe fordern und erwarten, dass dieses Vertrauen erfüllt werde.

Riegler: EU-weit verlässliche Standards schaffen
Die Wiederherstellung einer Vertrauensbasis, auf der sich Produzenten und Konsumenten begegnen, sieht Josef Riegler, der Präsident des Ökosozialen Forums, als wichtige Aufgabe für die Zukunft an. Alle Beteiligten - Produzenten, Behörden, politisch Verantwortliche und Medien - müssten ihre Verantwortung wahrnehmen und dem Anspruch der Verbraucher auf sichere, qualitativ hochwertige, gesundheitlich unbedenkliche Lebensmittel gerecht werden.
Die Strategie der Ökosozialen Agrarpolitik, die er 1987 begründet habe, sei durch die jüngsten Turbulenzen auf dem Lebensmittelsektor eindrucksvoll bestätigt worden, sagte Riegler. Nur durch bodengebundene Tierhaltung in überschaubaren Beständen, behutsame Produktionsmethoden, präzise Deklaration und Rückverfolgbarkeit der Produkte könnte beste Lebensmittelqualität gewährleistet werden. Seit dem EU-Beitritt sei es für österreichische Landwirte aber zunehmend schwieriger geworden, diesen Weg der Agrarpolitik weiter zu beschreiten. Der Präsident des Ökosozialen Forums fordert daher, für alle EU-Staaten einheitliche, verlässliche Standards für Sicherheit, Qualität, Umwelt- und Tierschutz zu formulieren.

Molterer: Quadratur des Kreises ist unmöglich
Wie ein solches einheitliches "Europäisches Lebens-Mittel-Modell" aussehen könnte, skizzierte Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer. Seiner Ansicht nach sollte es drei Qualitätslevels geben, um Lebensmittel zu klassifizieren: erstens einen hohen "Grundstandard", dem alle in der EU angebotenen Lebensmittel entsprechen müssten, zweitens freiwillige Gütesiegel nach klar definierten Kriterien, drittens Siegel für Produkte aus biologischem Landbau.
Nicht nur die Interessen der Konsumenten, sondern auch die der Landwirte müssten dabei Berücksichtigung finden, so Molterer. "Landwirte müssen für ihre Leistung einen fairen Anteil an der Wertschöpfungskette haben", sagte der Minister. "Die Quadratur des Kreises, beste Qualität zum Billigtarif anzubieten, ist unmöglich." Es müsse daher in der Gesellschaft zu einer Diskussion über den Wert des Lebensmittels an sich kommen. Molterer dankte dem ORF und dem Ökosozialen Forum dafür, dieser Diskussion mit der Enquete eine breite Basis geboten zu haben: "Das kann der Start einer neuen Dialogkultur sein."

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