DER STANDARD-Kommentar: "Flexibilisierung" (von Michael Völker) - Erscheinungstag 26.4.2001

Wien (OTS) - Der österreichische Arbeitsmarkt braucht in den nächsten vier Jahren 165.000 zusätzliche Arbeitskräfte. Das ist ganz pragmatisch zu sehen und steht weitgehend außer Frage. Wo die herkommen sollen, steht hingegen gar nicht außer Frage. Das Wirtschaftsforschungsinstitut meint nämlich, dass auch der Zuzug von 35.000 ausländischen Arbeitskräften notwendig sein wird. Da wird es politisch. Der "Ausländer nein"-Reflex der FPÖ setzt verlässlich ein, und da der Kanzler nicht streiten will, fügt er sich.

"Flexibilisierung" der Quoten heißt das neue Zauberwort, mit dem die Regierung nun gleichzeitig auf die Bedürfnisse der FPÖ wie auf jene des Arbeitsmarktes reagieren will. Das kann eigentlich nur eines heißen: Bei gleich bleibender Gesamtquote werden in dieser Ausländer "umgeschichtet". Viel Spielraum gibt es dabei allerdings nicht: Die Quoten für Fachkräfte und sonstige Erwerbstätige sind ohnedies sehr niedrig angesetzt und werden zur Gänze ausgeschöpft. Bleibt der große Posten "Familienzusammenführung".

Flexibilisierung wird dann wohl heißen, den Bereich der Familienzusammenführung, der mit knapp 5500 "Plätzen" festgelegt ist, zu kürzen, um dementsprechend Fachkräfte ins Land holen zu können -ohne Familien. Schon jetzt warten aber mehr als 11.000 Angehörige von in Österreich lebenden Ausländern auf ein Ticket zum Familienleben; die Anträge aus dem heurigen Jahr sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Die andere Variante: Die Regierung schwindelt. Und nimmt einfach jene Arbeitskräfte, die zusätzlich benötigt werden, aus der Quote heraus. Das wäre ein Trick, bei dem die FPÖ, so sie mitspielt, das Gesicht wahren könnte. Warum aber Ausländer, die legal hier sind, nicht arbeiten dürfen, versteht niemand.

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