Kann Gewalt in der Schule verhindert werden?

Wien (OTS) - Gewalt von Jugendlichen scheint immer nur nach Eskalationen und als schreckliche Sensation wichtig und interessant zu sein. Alltägliche Formen von Gewalt sowohl zwischen Kindern bzw. Jugendlichen als auch von Erwachsenen, werden in der Regel bagatellisiert oder ignoriert.

Dabei zeigt die unmittelbare Auseinandersetzung mit betroffenen Kindern und Jugendlichen immer wieder unmissverständlich, dass "Opfer" wie "Täter" darauf angewiesen sind, dass Erwachsene sich einmischen und sich auch bei "alltäglichen" Attacken eindeutig der Gewalt entgegenstellen. In einem zweiten Schritt warten Kinder und Jugendliche darauf, dass sie mit ihren Problemen, Sorgen - also auch mit Verhaltensauffälligkeiten als Ausdruck davon - wahrgenommen werden.

Kinder geben Signale

Kinder/Jugendliche brauchen Anleitung und ein Beantwortet-Werden, um sich mit der Frage der Geschlechterrolle, mit Konflikten, Fragen der Pubertät, Anforderungen der kommenden Sexualität, möglichen Formen des Sich-Behauptens ... hilfreich auseinanderzusetzen. Sie dürfen in ihren Entwicklungs- und Reifungsprozessen nicht allein gelassen werden.

Das "Klima" in der Schule entscheidet

ExpertInnen fanden heraus, dass das "Klima" einer Schule Gewalt verhindern, aber auch fördern kann. Nimmt die Schule auf die Bedürfnisse der SchülerInnen aktiv Rücksicht, bindet sie die SchülerInnen in die Verwaltung und in das Programm des Schulalltags stark ein, dann können die SchülerInnen mit den LehrerInnen vertrauensvoller umgehen und besser über eventuelle Schwierigkeiten sprechen. Vor allem externe ExpertInnen könnten sowohl die LehrerInnen als auch SchülerInnen unterstützen und somit viel dazu beitragen, Gewalt zu verhindern. Die Schule ist also aufgerufen problemadäquat zu handeln. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, brauchen LehrerInnen entsprechende Rahmenbedingungen:

Maßnahmen für ein förderliches "Klima" in der Schule

LehrerInnen sollten in ihrer Ausbildung mehr kommunikative Kompetenzen, kompetenteren Umgang mit Konflikten und prozeßhaftes Arbeiten mit Gruppen vermittelt bekommen.

Es braucht Lehrpläne, die sozialem Lernen entsprechenden Raum geben. Bis jetzt können engagierte Lehrkräfte dies bestenfalls in speziellen Fächern "abzwacken" und müssen sich häufig dafür rechtfertigen. Wichtig sind kleine Gruppen. Die Klassen in Österreichs Schulen sind meist zu groß. Aus psychotherapeutischer Sicht widersprechen zu große Klassen jeglicher fachlichen Einsicht. LehrerInnen brauchen die Möglichkeit zum Teamteaching. Die kürzlich erfolgte Aufstockung der Klassenzahlen ist aus diesen Gründen schärfstens zurückzuweisen.

Unter anderen sind dies Erkenntnisse und Forderungen, die der "Arbeitskreis Psychotherapie und Schule" des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie in seinen Veranstaltungen und Veröffentlichungen mit aufzeigt.

Das Schulsystem und die gesellschaftlichen Erwartungen an die Schule müssen ein neues Bild von Pädagogik und Professionalität entwickeln. Dabei sollte der Umgang mit Problemen als Erfolg angesehen werden und nicht das Unterdrücken der Schwierigkeiten, um keine zu haben.

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für Psychotherapie
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