Das WirtschaftsBlatt - Kommentar -

"Gute neue ÖBB-Vorstände zu finden, ist schwer" von Herbert Geyer

Wien (OTS) - In Zeiten wie diesen einen neuen Vorstand für die
ÖBB zu suchen, ist kein leichtes Unterfangen: Fix ist in dem Unternehmen nix - weder die künftige Struktur noch der Zeitpunkt, zu dem sie in Kraft treten soll. Zeiten des Umbruchs, in denen noch alles möglich ist, sind für einen dynamischen und flexiblen Manager natürlich besonders lohnend - im Falle ÖBB müssen die neuen Männer allerdings befürchten, dass nicht sie die neue Richtung bestimmen werden, sondern ein nicht immer besonders sachorientiertes Konglomerat aus Politik und dem Freundeskreis von Thomas Prinzhorn, aus schwarzen und blauen Einflüsterern, die die Bahnreform nicht immer ganz selbstlos voran treiben. In diesen Zeiten einen neuen Vorstand für die ÖBB zu suchen, ist also kein leichtes Unterfangen - zumal die wichtigste Vorgabe offenbar war, dass der neue Chef nicht Helmut Draxler heissen soll. Unter diesen Umständen ist es schon sehr verdienstvoll, dass die Schweizer Beratungsfirma, die die Vorauswahl traf, nicht wieder auf einen Manager aus dem Reservoir der Papierindustrie zurückgreifen musste. Aber vielleicht ist diese Reserve jetzt auch nur wirklich erschöpft. Unter diesen Umständen einen Wunderwuzzi aus dem Ausland zu holen, ist eine bewährte Strategie: Wer in Österreich wird schon so hinterwäldlerisch sein, etwas gegen im Ausland erfolgreiche Manager zu sagen (älteren Beobachtern der Szene fallen dazu Namen wie Lewinksy oder Bogdandy ein). Dass der neue Mann nur Chef eines städtischen Verkehrsbetriebs war, muss kein Nachteil sein - das war Draxler auch (und gar nur in Linz). Zumindest ist der in der ÖBB zuletzt vernachlässigte Bereich des Personenverkehrs im neuen Vorstand bestens vertreten: durch einen, der zuständig ist, und durch einen, der wirklich etwas davon versteht. Zumindest letzteres gilt auch für die Infrastruktur: Helmut Hainitz wird nachgesagt, dass er im ÖBB-Netz jede Schwelle kennt. Er ist allerdings - seit 17 Jahren - für viele -zig Milliarden verantwortlich, die in diesem Netz nutzlos versickert sind. Unverständlich allerdings, dass der einzige Bereich, in dem die Bahn wirklich Geld verdient, ohne Fachmann im Vorstand auskommen muss: Den Güterverkehr betreut Schmidt mit. Aber vielleicht hat auch das damit zu tun, dass es in Zeiten wie diesen nicht leicht ist, neue Chefs für die ÖBB zu finden. Schon gar nicht profilierte Fachleute. (Schluss) hg

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