ATV zu Prognos-Studie: "Gefälligkeitsgutachten mit Widersprüchen"

Wien (OTS) - Als "Trotzgutachten voller schwammiger Formulierungen und Widersprüche" bezeichnete heute ATV-Geschäftsführer Tillmann Fuchs das vom ORF in Auftrag gegebene Gegengutachten des Prognos-Institutes zum "Fernsehmarkt Österreich". "Wir hätten uns selbst von einem offensichtlichen ORF-Gefälligkeitsgutachten mehr Plausibilität erwartet", so Fuchs. Die Analysen seien in vielen Punkten völlig unzureichend und würden zu erstaunlichen Schlussfolgerungen führen, die nur schwer nachvollziehbar seien. Auch seien in den wenigen Beispielrechnungen die Grundlagen dieser Berechnungen - etwa unterstellte TKP‘s, Werbezeitauslastung, etc. -nicht offengelegt, Überprüfungen auf Plausibilität damit ausgeschlossen.

Interessant sei in dem Zusammenhang, dass derselbe Projektleiter, der im vorliegenden Gutachten Privatfernsehen in Österreich keine echten Chancen mehr einräumt, noch 1998 bei einem vom Bundeskanzleramt in Auftrag gegebenen "Weisbuch zur Pressesförderung in Österreich" die Auffassung vertrat, dass "in den kommenden Jahren mit neuen Marktchancen für neue Angebotsformen und Anbieter zu rechnen ist, sofern die erforderlichen rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen etabliert werden". Im ORF-Gegengutachten sei dem gegenüber von den notwendigen ordnungspolitischen Maßnahmen plötzlich keine Rede mehr, so der ATV-Chef.

Ebenso sei es "mehr als verwunderlich, dass das Prognos-Institut seine eigene im Auftrag von MGM erstellte Studie über die österreichische Werbemarktentwicklung bis 2010 nicht zu Rate gezogen hat", so Fuchs, "allerdings wäre es dann im aktuellen ORF-Gegengutachten zu anderen Schlussfolgerungen gekommen, was offenbar dringend zu vermeiden war". In dieser erst im vergangenen Jahr veröffentlichten Analyse wurde für den Werbemarkt in Österreich bis 2010 auch im Fernsehsektor eine überproportionale Entwicklung prognostiziert.

Dass eine in anderen Gutachten und Stellungnahmen internationaler Experten als notwendig erkannte Reduzierung der ORF-Werbung nur den deutschen Programmfenstern nützen würde, sei eine völlige Verkennung der Situation, und würde durch Erfahrungen im Ausland, vor allem auch in der Schweiz massiv widerlegt. "In der Schweiz sind kürzlich nicht nur der öffentlich-rechtlichen SRG 365 Millionen ATS an Werbeeinnahmen gestrichen worden, sondern es wird zurzeit diskutiert, den Privaten weitere Möglichkeiten zur Lukrierung von Mitteln aus der Werbung einzuräumen", so Fuchs.

Dass in Österreich derzeit soviel an Werbegeldern in die ausländischen Fenster fließe, liege ausschließlich daran, dass es bis vor kurzem keinen heimischen Anbieter außer dem ORF gegeben habe, so Fuchs. Die "Abwanderung in die deutschen Werbefenster" sei der beste Beweis dafür, dass die österreichische Werbewirtschaft weitere Werbemöglichkeiten brauche. Am deutschen Beispiel sei außerdem erkennbar, dass es seit der Einführung von Privat-TV in den vergangenen zehn Jahren fast zu einer Verdoppelung der Werbeeinnahmen - von 24 auf 42 Milliarden DM - gekommen sei. Wenngleich es auch am Werbemarkt zu Marktanteilsverschiebungen gekommen sei, hätten davon in absoluten Zahlen alle Medien profitiert. Fuchs: "Insgesamt kann man überall auf der Welt feststellen, dass ein fairer Wettbewerb am Medienmarkt den Werbemarkt massiv belebt. Die Prognos-Studie gibt darauf keinerlei Antwort, warum das ausgerechnet in Österreich anders sein sollte."

Dasselbe gelte für die Produktionswirtschaft. Hier sei in allen Ländern erkennbar, dass durch eine steigende Anzahl von Anbietern auch die Zahl der Auftragsproduktionen erheblich ansteige. Das Beispiel Deutschland zeige etwa, dass sowohl die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF ihre Produktionen konsequent gesteigert hätten, trotzdem aber zwei Drittel der gesamten Produktionsaufträge inzwischen von privaten Sendern kämen.

"Auf einen simplen Nenner gebracht: Konkurrenz belebt das Geschäft. Das ist zwar nicht neu, ebenso wenig neu ist aber, dass das einem Monopolisten noch nie gefallen hat", so Fuchs abschließend.

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