DER STANDARD-Bericht: "Kinder eine Unterschichtangelegenheit"

Sozialexperten warnen vor unerwünschten Überraschungen durch das Kindergeld Erscheinungstag 24.4. 2001

Wien (OTS) - Mehr Kinder braucht das Land, meint die Regierung und hofft, durch das Kinderbetreuungsgeld einen finanziellen Anreiz zu schaffen, mehr Kinder zu bekommen. Sollte dieses Ziel aber zu erfolgreich realisiert werden, könnten die Erfinder des Kindergeldes über das eigene Projekt stolpern.

Wenn zu viele Kinder geboren werden oder zu viele Eltern - vor allem viele Väter - das Kindergeld volle drei Jahre beanspruchen, wird das Kindergeld eine teure Sache - noch viel teurer als die derzeit für den Vollausbau 2005 veranschlagten 17 bis 17,3 Milliarden Schilling. Die Regierung muss in gewisser Weise sogar hoffen, dass ihr Wunsch nach mehr Kindern nur begrenzt in Erfüllung geht. Nur dann ist das Prestigeprojekt auch finanzierbar.

Was die Kinderzahl betrifft, kommt von Experten ohnedies "Entwarnung". Das Kindergeld werde mit großer Sicherheit nicht den erwünschten "Babyboomeffekt" auslösen, glaubt etwa der Sozialexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts, Alois Guger, im Standard-Gespräch: "Ich glaube nicht, dass sich die Österreicherinnen und Österreicher vom Geld beeinflussen lassen." Die Geburtenrate hänge von anderen Faktoren, vor allem der ökonomischen Situation, ab.

Auf die Gefahr einer gesellschaftlichen Polarisierung durch das Kindergeld weist der Sozialforscher Bernd Marin im Standard-Gespräch hin: "Das Kinderkriegen wird eine Unterschichtangelegenheit. Unterschichtfrauen und vielleicht einige wenige reiche Frauen werden viele Kinder haben." Immer mehr Frauen würden nur noch ein Kind bekommen.

Die Zuverdienstgrenze, so Marin, mache es nämlich für Frauen mit besser bezahlten Jobs viel unattraktiver, aus ihrem Beruf auszusteigen und dazuzuverdienen. Dagegen ist es für Frauen aus Niedriglohnbranchen durchaus attraktiv, 6000 Schilling Kindergeld zu kassieren und zusätzlich verdienen zu können, erklärt Marin.

Als Panikmache weist Marin Aussagen zurück, wonach mehr österreichische Kinder geboren werden müssten, da ansonsten das Pensionssystem zusammenbreche. "Es besteht kein Grund zu Panik. Es passiert gar nichts, wenn man die Zuwanderung auf dem Niveau der letzten 50 Jahre beibehält, also im Schnitt jährlich 20.000 bis 25.000 Leute zuwandern lässt." Das seien 0,03 Prozent der Bevölkerung. "Wenn eine Gesellschaft nicht einmal drei Promille Zuwanderung aushält, dann hat sie wirklich ein Problem."

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