WirtschaftsBlatt Kommentar über Fachkräfte von Evelyn Holley-Spiess

Eine Herausforderung für Fachleute

Wien (OTS) - Das Wirtschaftsforschungsinstitut zeigt eines der gravierendsten Probleme der Zukunft in Zahlen auf: Bis 2005 fehlen den österreichischen Betrieben an die 165.000 Fachkräfte - vom IT-Spezialisten bis zu Altenbetreuern. Die Forscher sind in ihrer Analyse aber noch einen Schritt weitergegangen. Sie haben konkrete Ansätze mitgeliefert, wie der Bedarf gedeckt werden könnte: 40.000 ältere Personen sollten wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden, zusätzlich 30.000 Frauen einen Job annehmen und rund 60.000 Arbeitslose weiter qualifiziert und vermittelt werden. Um die Lücke zu schliessen, wäre kurzfristig der Zuzug ausländischer Arbeitskräfte nötig. Soweit der Plan. Die Realität in Wirtschaft und Politik ist freilich eine andere. Golden Handshake und Vor-Ruhestandskonzepte, die bereits 45-jährige Mitarbeiter einbeziehen, sind in den Konzernen noch immer gang und gäbe. Noch gut in Erinnerung ist in diesem Zusammenhang die Verabschiedung des anerkannten Spitzenmanagers Ulrich Bode zu Beginn des Jahres. Er musste im Alter von 58 den Sessel räumen, weil Top-Leute beim Pharmariesen Glaxo SmithKline nicht über 55 sein dürfen. Auch die jüngsten familienpolitischen Entscheidungen der Regierung sind kein Garant dafür, dass Frauen verstärkt in die Lage versetzt werden, sich zu bewerben. Das Kindergeld fällt zwar in einigen Fällen um ein paar hundert Schilling höher aus als das bisherige Karenzgeld. Kinderbetreuungsplätze kann man sich damit dennoch nicht finanzieren, weil es sie in ausreichendem Ausmass gar nicht gibt. Und der Ausbau von Kindergärten und -krippen fehlt bislang bei der schwarz-blauen Familienoffensive. Wenig Bewegung zeichnet sich beim Zuzug ausländischer Fachkräfte ab. Die FPÖ pocht stattdessen auf die verstärkte Ausbildung von Spezialisten innerhalb der Grenzen. Zu Recht. Offen bleibt dabei aber, wie der Facharbeitermangel in den nächsten zwei, drei Jahren überbrückt werden soll. Die Berechnungen der Wirtschaftsforscher sind plausibel und enthüllen zwei Defizite. Es bedarf erstens einer Regierungspolitik, die ein attraktives Job-Umfeld für alle Arbeitnehmer schafft. Und zweitens eines Strategiewandels in vielen Unternehmen, die qualifizierten Mitarbeitern mehr bieten müssen als Geld. Weiterbildung und Kinderbetreuungsplätze wären da sicherlich ein Anfang. (Schluss) ehs

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