"Kleine Zeitung" Kommentar: "Jungtürken" (von Michael Jungwirth)

Ausgabe vom 24.4.2001

Graz (OTS) - Karl-Heinz Grasser ist an diesem Wochenende eines gelungen: Er hat den EU-Finanzministern in Malmö die Show gestohlen. In allen führenden Zeitungen Europas stieß man gestern an prominenter Stelle auf Grassers Forderung nach einer Zinssenkung.

Politisch hat er sich damit aber in die Nesseln gesetzt. Zwar ist es nur zu begrüßen, wenn Jungtürken die eingefahrenen Spielregeln der EU auf den Kopfstellen und an der alten Ordnung rütteln.

Nur ist die sensible Währungspolitik nicht die geeignete Spielwiese dafür. Hier sollte der Grundsatz gelten: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Noch dazu ist es paradox, wenn der Vertreter eines Landes, das die harte Währung zum obersten Credo erklärt hat, dem obersten Hüter des Euro in aller Öffentlichkeit Rat schläge erteilt.

In jedem Fall hatder Finanzminister genau das Gegenteil erreicht:
Die auf strikte Unabhängigkeit bedachte Europäische Zentralbank wird nun erst recht keinen Finger bei den Zinsen rühren.

Für Grasser weiters kein Drama, denn nun hat er einen weiteren Schuldigen, falls er im Jahr 2002 das Nulldefizit verpasst. ****

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