"Neue Zeit" Kommentar: "Totschrumpfen" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 24. 4. 2001

Graz (OTS) - Die Entwicklung der Altersstruktur in der Bevölkerung wird eines der zentralen Probleme der westlichen Welt in den kommenden Jahrzehnten sein. Dabei geht es einerseits um die sinkende Geburtenrate und die höhere Lebenserwartung, andererseits um die Probleme am Arbeitsmarkt und bei umlageorientierten Pensionssystemen. Das Szenario, das den westlichen Industrienationen droht: Es gibt zu wenig junge Menschen, um die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften befriedigen zu können und um mit einigermaßen tragbaren Beiträgen die Pensionen der Älteren zu finanzieren. Wird noch dazu in der Bildungspolitik nicht rasch auf möglichst hohe Qualifikation aller in den Arbeitsmarkt strebenden Menschen gesetzt, wird es für die Wirtschaft zu wenig ausgebildete Arbeitskräfte geben, für den Staat hingegen trotz hoher Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zu viele Arbeitslose aus mangelnder Qualifikation.

Wie diesem drohenden Szenario begegnen? Die Geburtenrate wird sich kaum nachhaltig steigern lassen, weil Kinderkriegen immer noch auf Freiwilligkeit beruht. Das wird sich auch bei 36 Monaten Kindergeld nicht ändern. Bestünde nämlich ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen bezahlter Karenz und Geburtenrate, müssten in Österreich etwa neun Mal so viele Kinder geboren werden wie in Spanien. Bleibt als Ausweg die Zuwanderung. Dagegen wiederum ist jede Art von Populismus gerichtet. Bei dieser Einstellung droht, dass sich die Industrienationen nicht gesund- sondern totschrumpfen.

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