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"Presse"-Kommentar: Die Stunde null der Liberalen (von Hans Werner Scheidl)

Ausgabe vom 23. April 2001

Wien (OTS). Es entbehrt nicht der Symbolik, daß der am Wochenende gewählte neue
Bundessprecher des Liberalen Forums Politologie studiert. Der 24jährige Alexander Zach befindet sich also noch in Ausbildung. Seine weltanschauliche Prägung ist noch nicht abgeschlossen, er entgeht der Versuchung des Berufspolitikers, das eigene Weltbild als einzig seligmachendes zu betrachten. Das könnte erfrischend sein. Dem neuen LIF-Sprecher sollte auch sein Nebenjob, die PR-Arbeit, durchaus zugutekommen. Einer politischen Bewegung, die weder im Parlament noch in einem Landtag mehr vertreten ist, bleibt nur mehr Lobbying - eine äußerst undankbare Arbeit angesichts der minimalen Geldmittel, die noch da sind.
Mit Friedhelm Frischenschlager - seit der verlorenen Wien-Wahl amtierte er als Konkursverwalter des LIF - ist nun der letzte prominente Ex-Freiheitliche abgetreten. Ein Kapitel ist somit abgeschlossen, zugleich die Pioniergeschichte der heutigen versprengten Liberalen: Mit der bloßen Antithese zu Jörg Haider ist's vorbei, jetzt müßte es zu einem eigenen, klugen Selbstverständnis kommen, das sich nicht mehr an der Enttäuschung über Jörg Haider orientieren darf.
Man sollte das Experiment nicht gleich als unrealistisch abtun. Beispiele in Deutschland und in der Schweiz beweisen es: Eine gesellschaftspolitisch freisinnige (und wirtschaftspolitisch vernünftige) Gruppe kann durchaus ihren - bescheidenen - Platz haben zwischen Schwarz und Rot, Grün und Dunkelrot. Freilich hat es die FDP einfacher: Sie muß sich nicht mit einer FPÖ herumbalgen, deren Anhänger zu einem gewissen Prozentsatz durchaus derselben Wurzel entspringen wie das zarte Pflänzchen des organisierten Liberalismus. Das könnte aber auch eine Chance darstellen. Der ideologische, menschliche Bruch zwischen Haider und seiner langjährigen Gefährtin im Erfolg, Heide Schmidt, schloß einen Brückenschlag zu den vielen liberal geprägten FPÖ-Anhängern a priori aus. Das muß nicht so bleiben. Möglich auch, daß die liberalen Restbestände sogar wieder unter dem Dach der FPÖ oder der ÖVP Unterschlupf finden könnten. Woanders ergäbe dies nicht viel Sinn. Links sind alle Nischen mehr als besetzt.

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