Nationalpark Donau-Auen: Der Kampf ums Licht

Auwälder: Das zweitproduktivste Ökosystem der Welt

Wien (OTS) Ein richtiger Kampf ums Licht spielt sich derzeit im Nationalpark Donau-Auen ab. Denn während im Winter die Auwälder im Nationalpark Donau-Auen grau, karg und kalt erscheinen, ändert sich das im Frühjahr schlagartig. Ab April scheinen die Pflanzen des Auwaldes geradezu zu explodieren. Am augenscheinlichsten treten dabei die "Lianen" in Erscheinung, die den Wald in einen undurchdringlichen Dschungel verwandeln - und die steigen richtiggehend hinauf, um im Dschungelkampf um Licht zu gewinnen.

Der Grund für diese Kämpfe: Die Auwälder der gemäßigten Breiten sind das zweitproduktivste Ökosystem der Welt. Nur die tropischen Regenwälder vermögen pro Einheit mehr Biomasse zu erzeugen. Der Boden im Auwald ist höchst nährstoffreich, sodass auf engstem Raum unzählige Pflanzen wachsen könnten - mehr als in der Strauch- und Kronenschicht des Waldes Platz hätten.

In den höheren Schichten des Waldes geht es nicht mehr um die Nährstoffe, sondern um das einfallende Sonnenlicht. Sträucher und Bäume heben ihre Blätter mithilfe der verholzten Stämme (deren Ausbildung viel Energie verbraucht) an das lebensnotwendige Licht. Schattenertragende Arten können das Restlicht, das durch das Blätterdach dringt nutzen. Im Dschungel des dichten Auwaldes "steigen" jedoch weitere Arten "in den Ring", um im Kampf um das Licht zu obsiegen - die Lianen. Sie ranken, kleben, schlingen, drehen und kämpfen sich so lange nach oben, bis sie über den Dächern des Waldes ausreichend Sonnenlicht aufnehmen können. Kletterpflanzen haben im Laufe der Evolution eigene Strategien entwickelt. Ihr verholzter Stängel hat ein geringes Dickenwachstum und ein stark ausgeprägtes Längenwachstum. Doch dieses rasche Wachstum ist mit einem entscheidenden Nachteil verbunden: Die Stängel sind nicht selbst-ständig, können also ohne Stütze durch andere, "normale" Gehölze nicht existieren. Im Querschnitt des Stammes wechseln sich Kernholz und Bastgewebe in konzentrischen Kreisen ab, wodurch sich eine erhöhte Elastizität der seilartig verdrehten Struktur ergibt. Durch die großen Gefäße kann viel Wasser aus dem Wurzelraum hoch über das Kronendach der Bäume geleitet werden.

Im Nationalpark Donau-Auen kommen verschiedene heimische Kletterpflanzenarten vor. Einige sind so typisch ausgeprägt, dass sie für Tarzans Dschungelschwünge bestens geeignet wären, andere wiederum erreichen nur Strauchhöhe, bilden jedoch umso schönere Blüten aus.

Die häufigste und auffälligste Vertreterin der Kletterpflanzen in unseren Auwäldern ist die Waldrebe (Clematis vitalba). Sie rankt bis in höchste Baumkronen und kann Bäume ernsthaft gefährden. Manchmal sterben die Bäume infolge der Lichtkonkurrenz oder der Last der bis zu armdicken Stämme der Waldrebe ab.

Der Wilde Hopfen (Humulus lupulus) schlingt sich in Linkswindungen um andere Pflanzen und ist "zweihäusig". Im Hopfenanbau, den man in Österreich schon seit dem 8. Jahrhundert kennt, wird immer nur die weibliche Pflanze verwendet, da sie die für die Bierwürze wesentliche Hopfenbittersäure enthält. Die oberirdischen Teile des Hopfens sterben übrigens im Winter ab, sodass er seine Kletterkünste jährlich neu unter Beweis stellen muss.

Der sehr häufig vorkommende Wilde Wein (Parthenocissus quinquefolia) stammt aus Nordamerika und kommt in unserer Au in verwilderter Form vor. Vielfach wird er auch als Kletterpflanzen in Gärten verwendet.

Eine etwas weniger bekannte Art ist die Wilde Weinrebe (Vitis vinifera subsp. sylvestris). Sie war schon vor der Ankunft der Römer den an der Donau lebenden Menschen bekannt, ihre Kerne wurden schon bei Ausgrabungen jungsteinzeitlicher Siedlungen nachgewiesen. Die Lobau zählt heute zu den wenigen Gebieten in Österreich, die ein gesichertes Vorkommen der Wilden Weinrebe aufweisen.

Schließlich zählt auch der bekannte Efeu (Hedera helix) zu den Kletterpflanzen. Er ist immergrüne und kann sich mit besonderen Haftwurzeln an Bäumen oder Mauern empor arbeiten. Interessant ist, dass der Efeu eine niemals blühende Jugendform mit Haftwurzeln und gelappten Blättern sowie eine im Herbst blühende Altersform ohne Haftwurzeln mit ovalen Blättern ausbildet. Dieser Vorgang ist nicht umkehrbar, Stecklinge der Altersform wachsen immer als Bäumchen weiter und entwickeln sich nicht mehr zur Jugendform zurück. Im frühen Christentum galt der Efeu wegen seiner immergrünen Blätter und wegen seiner hohen Lebenserwartung als Symbol des ewigen Lebens. Der Efeu kann über 400 Jahre alt werden. (Schluss) hrs/schma/ma49

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