"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Mit Kindergeld abgespeist

Ausgabe vom 20.04.2001

Die politische Begründung, die der Kanzler für das Kindergeld liefert, ist der glatte Hohn. Dieses sei - so Schüssel - "das größte Armutsbekämpfungsprogramm in der Geschichte Österreichs". Die Armutsfallen für viele österreichische Frauen werden sicher nicht beseitigt, indem sie für ein paar Jahre mit Kindergeld abgespeist werden. Von so nachhaltigen "historischen" Schritten zur Armutsbekämpfung ist nichts zu bemerken.

Um die Situation von Frauen wirklich zu verbessern, gilt es, ganz woanders anzusetzen. Ein großer Teil der weiblichen Bevölkerung ist unter anderem wegen schlechter Ausbildung geringfügig beschäftigt und befindet sich in massiven Abhängigkeiten zu den Arbeitgebern. In diesem Bereich grundsätzlich und nachhaltig etwas zu ändern, hieße beispielsweise, einen finanziellen Schwerpunkt bei Qualifikations-und Weiterbildungsoffensiven zu setzen. Doch dafür ist offenbar kein Geld da. Das Kindergeld hingegen drängt gerade sozial schwache Frauen wieder in die geringfügige Beschäftigung, nur dass sie mit einem Kind noch erpressbarer durch den Arbeitgeber sind als zuvor. Auch ist die Reduktion des Kündigungsschutzes auf 24 Monate sicher nicht als armutsbekämpfende Maßnahme zu werten.

Frauen bessere Lebensbedingungen zu sichern, würde bedeuten, vielfältige attraktive Teilzeitarbeitsmodelle auszuarbeiten. Das hieße aber auch, die Wirtschaft in die Pflicht zu nehmen, ihr einen Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie abzuverlangen. Dazu sind aber weder ÖVP noch FPÖ bereit.

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