Ärztekammer fordert Strukturreformen in der Patientenversorgung

Neue Praxisformen für mehr Patientenfreundlichkeit

Wien (OTS) - "Mit heutigem Tag tritt österreichweit die Ambulanzgebühr in Kraft. Dies wird zweifelsohne eine Zunahme an Patienten in den ärztlichen Ordinationen nach sich ziehen. Dem ist durch entsprechende Strukturänderungen umgehend Rechnung zu tragen, um einen Kollaps im niedergelassenen Bereich zu verhindern!" erklärte heute MR Dr. Gerhard Weintögl, Präsident der NÖ - Ärztekammer.

Das entsprechende Angebot an hochqualifizierten niedergelassenen Ärzten mit Kassenverträgen - sowohl Allgemeinmediziner als auch Fachärzte - ist in NÖ ausreichend. Dies belegen diverse Studien und internationale Vergleiche über die österreichische Ärztedichte. So hat beispielsweise NÖ um 300 Kassen - Vertragsärzte mehr als OÖ - und dies bei nahezu gleicher Bevölkerungsanzahl und Struktur.

Die Ärztekammer ist überdies laufend um eine bedarfsgerechte Adaptierung des Stellenplanes bemüht - die Zunahme der Kassenplanstellen in den letzten Jahren zeigt dies deutlich.

Dennoch sind die Strukturen für eine möglichst patientenfreundliche Betreuung im niedergelassenen Bereich verbesserungswürdig. Nach der derzeitigen Gesetzeslage ist der Kassenarzt verpflichtet sämtliche Leistungen persönlich zu erbringen. Dies betrifft sowohl die Tätigkeiten in der Ordination, als auch Visitentätigkeiten, Notfälle und administrative Tätigkeiten (Medikamentenverschreibung, etc.). Dies führt zu einer hohen Belastung des jeweiligen Arztes und zu überlangen Arbeitszeiten.

Mehrere Umfragen im Zusammenhang mit den Wochenarbeitszeiten der niedergelassenen Kassenärzte haben ergeben, dass der Durchschnitt der Ärzte derzeit pro Woche mehr als 60 Stunden für seine Patienten tätig ist. Die oft zitierten Mindestordinationszeiten bestehen also -mit wenigen Ausnahmen - lediglich auf dem Papier. Aus diesen Mindestordinationszeiten Rückschlüsse auf die ärztliche Versorgung zu ziehen, - wie dies ja häufig von Uninformierten getan wird - ist purer Populismus.

"Die Vermehrung der Anzahl der Ärzte ist nicht zielführend .Der einzelne Arzt kann nicht rund um die Uhr die Ordination betreuen, gleichzeitig notwendige Visiten tätigen und für Notfälle zur Verfügung stehen" so der Präsident der NÖ - Ärztekammer weiter.

Deshalb ist es bereits seit langem eine Forderung der Ärzteschaft endlich Gruppenpraxen und die Anstellung von Ärzten bei Ärzten zu ermöglichen. Ein solches System würde nicht nur lange Öffnungszeiten der Ordinationen ermöglichen, sondern auch gewährleisten, dass -während ein Arzt im Zuge von Visiten Patienten betreut - ein anderer Arzt die Patienten in der Ordination versorgen kann.

Durch die Einführung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes an Wochentagen, der in NÖ unter Mitwirkung der Ärztekammer mittlerweile beinahe flächendeckend läuft, ist auch eine Versorgung während der Nacht in NÖ gewährleistet.

Es ist also nicht der richtige Weg, die Zahl der Ärzte zu erhöhen, sondern die Angebote, welche die vorhandenen Ärzte erbringen dürfen auszuweiten. Dies muss jedoch umgehend geschehen, um die Strukturen im niedergelassenen Bereich entsprechend den Anforderungen des Gesetzgebers zu adaptieren.

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