AK: Kindergeld erschwert Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Partnerschaftliche Betreuung der Kinder wird fast unmöglich

Wien (AK) - Statt die Teilzeitkarenz als wichtiges Modell zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie und für eine partnerschaftliche Teilung der Kinderbetreuung weiter auszubauen, werden mit dem Kindergeld neue Hürden eingebaut, kritisiert Ingrid Moritz, Leiterin der AK-Abteilung Frauen und Familie. Darüber hinaus untergrabe das Kindergeld bis zu 30 Monate den arbeitsrechtlichen Kündigungsschutz sagt Moritz: "Beim zweiten Geburtstag des Kindes müssen sich die Frauen entscheiden, was ihnen wichtiger ist: das Kindergeld oder der Kündigungsschutz." Die AK Expertin kritisiert die ungleichen Möglichkeiten, das Kindergeld in Anspruch zu nehmen: "Die Arbeitnehmerinnen finanzieren das Kindergeld, aber sie haben am wenigsten davon." ****

Teilzeitkarenz gibt es nach dem vorgelegten Gesetzesentwurf nur bis zu einer Obergrenze von 200.000 Schilling brutto. Die Folge für viele Paare, die dieses Modell für eine gemeinsame Kinderbetreuung wählen: Sie bekommen überhaupt kein Kindergeld, weil sie bei reduzierter Arbeitszeit mehr als diese 200.000 Schilling verdienen. Bisher gab es keine finanzielle Obergrenze. Paare, die ihre Arbeitszeit auf 60 Prozent reduzierten, hatten Anspruch auf das halbe Karenzgeld.

Beispiel: Ein Paar, erstes Kind, beide erwerbstätig. Sie verdient 30.000 Schilling, er 36.000 Schilling, jeweils brutto im Monat. Beide gehen nach dem Wochenschutz in Teilzeitkarenz mit 40 Prozent verringerter Arbeitszeit. Er erhält daher ein Jahresbruttoeinkommen von 302.400 Schilling, sie erhält 252.000 Schilling.
Bisher erhält das Paar noch 124.146 Schilling an Teilzeitkarenzgeld für 22 Monate.
In Zukunft gibt es kein Kindergeld, weil beide die Zuverdienstgrenze von 200.000 Schilling Jahresbrutto überschreiten.

"Die Teilzeitkarenz ist ein wichtiges Modell für jene, die ihr Kind betreuen aber nicht zu lange vom Beruf weg bleiben wollen", sagt Moritz, "statt dieses Modell zu fördern, wird es behindert."

Durch das Kindergeld bis 30 Monate untergräbt die Regierung den arbeitsrechtlichen Kündigungsschutz, sagt Moritz: Das Recht auf Karenzurlaub besteht bis zum zweiten Geburtstag des Kindes. "Dann müssen sich die Frauen entscheiden", sagt Moritz, "ist ihnen das Kindergeld wichtiger oder ist es der Kündigungschutz."

Moritz kritisiert die ungleichen Chancen, das Kindergeld in Anspruch zu nehmen. Arbeitnehmerinnen haben die schlechtesten Möglichkeiten: "Sie finanzieren es zwar, aber sie haben am wenigsten vom Kindergeld."

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