Österreich ist Gewässer-Sorgenkind Europas

WWF-Studie: Österreichs Gewässer liegen ökologisch im europäischen Schlussfeld

Wien (OTS) - Österreich liegt bei der ökologischen Qualität der Gewässer im europäischen Schlussfeld hinter Ländern wie Bulgarien oder Estland. Das zeigt der heute in Brüssel vorgestellte "Europäische Gewässer-Index" des WWF, der den Zustand der Flüsse, Seen und Feuchtgebiete in 16 europäischen Ländern untersucht. Ergebnis: Bei der Gewässergüte schneidet Österreich gut ab, doch die Flüsse sind durch Regulierungen und Kraftwerke stark beeinträchtigt. Das Artensterben nimmt - wie in Belgien und Schweden - zu. "Es besteht dringender Handlungsbedarf. Um die Vorgaben der europäischen Wasserrahmen Richtlinie zu erfüllen, müssen nach ersten Schätzungen in Österreich bis 2015 jährlich 1000 Kilometer Füsse revitalisiert werden", erklärt Mag. Markus Schneidergruber, Flussexperte des WWF Österreich.

Der Europäische Gewässer-Index schafft erstmals einen umfassenden Überblick über den ökologischen Zustand der europäischen Gewässer. Er untersucht außerdem die Bereitschaft der 16 Länder, die Vorgaben der neuen Europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen. Die EU sieht darin vor, bis 2015 einen großen Teil der Gewässer in einem ökologisch guten Zustand zu bringen. Davon sind die meisten Staaten weit entfernt. 50 der 69 untersuchten europäischen Flusstrecken sind ökologisch mangelhaft - darunter auch die Mur und die Donau in Österreich. Ein Problem ist die schlechte Datenlage über Ökosysteme:
"Drei Viertel der untersuchten Länder - darunter Österreich - verfügt nicht über ausreichende Daten, um den Artenverlust festzustellen. Wir brauchen eine bundesweite Erhebung aller Fließgewässer", fordert Schneidergruber.

Der schlechte ökologische Zustand der österreichischen Flüsse erklärt sich aus einem Rückblick auf die letzten 50 Jahre: Geschätzte 30.000 Kilometer wurden verbaut, 400.000 Hektar Überflutungsraum und Auwald wurden den Flüssen genommen und in Nutzflächen verwandelt (das entspricht 5% der Bundesfläche). "Geblieben sind über weite Stecken nur leblose Kanäle", resümiert Schneidergruber. Als positive Beispiele aus Österreich führt der Europäische Gewässer-Index des WWF die March und den Lech an.

Um bis 2015 in Österreich 15.000 Kilometer Flüsse zu revitalisieren - wie für die Erfüllung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie notwendig - sind jährlich zwei Milliarden Schilling nötig. Das entspricht dem derzeitigen Gesamtbudget des Wasserbaus, von dem nur ein Bruchteil (rund 10%) für ökologische Maßnahmen ausgegeben wird. "Es müssen neue Rahmenbedingungen für Flussrevitalisierung geschaffen werden: Mehr Geld, die Anpassung der Gesetze und eine einheitliche Verwaltung der Flüsse", fordert Schneidergruber.

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