"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Entzauberte Mythen

Ausgabe vom 19.04.2001

Erkenntnisse aus der jüngsten Studie der Gesellschaft für Europapolitik entzaubern den Mythos einer tiefsitzenden Aversion der Österreicher gegen die EU im Allgemeinen und die Erweiterung im Besonderen. Tatsächlich kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass gerade viele Bewohner von Grenzregionen einen EU-Beitritt ihrer Nachbarn befürworten. Menschen, die an der Grenze zu anderen Ländern leben, haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind weniger auf Ideologien und künstlich hochgehaltenen Vorurteile angewiesen - sie bauen ganz einfach auf ihre Erfahrung.

An die Stelle von Unbekanntem tritt Bekanntes; Erfahrung, Erlebtes und Information reduzieren naturgemäß die politisch hochgeschaukelten Ängste vor dem Fremden. Der "gesunde Menschenverstand" - so meint ÖGfE-Präsident Herbert Krejci - sei schließlich stärker als alle Ängste vor einer Erweiterung der Europäischen Union. Die Forscher kommen zu einer weiteren wichtigen Erkenntnis: Nur konkrete, aktuelle Konflikte mit anderen Ländern beeinflussen Meinungen. Verschwinden die Probleme, ändert sich die Einstellung. Historische Konfliktthemen seien nur für wenige interessant.

Der politischen Debatte über die EU-Erweiterung würde ein so konkreter, praxisorientierter, rationaler Zugang zu diesem Thema, wie ihm offenbar viele Österreicher an den Tag legen, gut tun. Denn aus einer Defensivposition heraus wird es Österreich nicht gelingen, die EU-Erweiterung mitzugestalten und die zweifellos zahlreichen Herausforderungen, die sie stellt, zu bewältigen.

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