WirtschaftsBlatt-Kommentar zu UMTS von Elisabeth Schinnerl Wir alle bezahlen den UMTS-Wahnsinn

Wien (OTS) - Es ist noch nicht einmal ein halbes Jahr her, als der deutsche Finanzminister über jene 100 Milliarden Mark jubelte, die ihm die Rekord-Versteigerung der UMTS-Lizenzen einbrachte. Noch im Dezember haben sich die grossen Netzwerksausrüster wie Siemens, Nokia, Ericsson und Co. die Hände gerieben: Über sie sollte sich, so hoffte man, durch WAP, GPRS und UMTS in den kommenden fünf Jahren ein Milliardenregen ergiessen. In den Businessplänen wurden die Prognosen in der Folge mit zum Teil wahnwitzigen Wachstumsraten versehen. Ein gewaltiger Irrtum, dem eine ganze Branche unterlegen ist, wie sich rasch herausstellte. WAP ist gescheitert, GPRS kommt auch nicht in Schwung und UMTS droht zum Massengrab der Hochtechnologie zu mutieren. Die Frage, wer schlussendlich für den ganzen Wahnsinn bezahlt, ist leicht zu beantworten: Immer der Schwächste in der Kette. In diesem Fall sind es die Aktionäre und die Arbeitnehmer. Denn jetzt, nur vier Monate später, zeigt sich die brutale Realität. Aus der Traum vom grossen Geld! Anstatt der erhofften Milliarden-Aufträge gibt es Massenkündigungen. Statt Rekordgewinnen stehen den Aktionären Gewinnwarnungen und Kursverluste ins Haus. Dabei wäre die Rechnung eigentlich eine ganz einfache gewesen: Man hätte sich nur die Frage stellen müssen, wer den UMTS-Wahnsinn bezahlen soll. Zu glauben, dass die grossen Telekomunternehmen die Last allein tragen, fällt unter geschäftsschädigende Naivität. Denn was liegt in der Krise näher, als die Bürde gleichmässig allen Geschäftspartnern aufzuhalsen? Frei nach dem Motto: Wer ein Stück vom vermeintlichen Kuchen abbekommen will, soll auch kräftig dafür bezahlen. Und wie sich zeigt, kommt dabei jeder zum Handkuss. Selbst Unternehmen wie der steirische Leiterplattenhersteller AT&S, der sich ein auf den ersten Blick krisensicheres Partnernetz aufgebaut hat. Aber was sind Partnerschaften in einer Zeit wert, in der es um jeden Groschen geht? Also muss auch AT&S-Chef Willi Dörflinger bei den Gewinnmargen den Sparstift ansetzen. Die Krise der Telekom-Industrie zeigt aber noch etwas Anderes: Auch wenn es in einer Börsenhausse immer wieder verdrängt wird, funktioniert Wirtschaft nach wie vor nach strengen Regeln. Wer sich verrechnet, der muss dafür bezahlen. Und in diesem Fall zahlt Europas Volkswirtschaft.

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