GESUNDHEITSBERICHT 2000 LIEGT VOR Häufigste Todesursachen Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen

Wien (PK) - Nach 1994 und 1997 wird mit dem vorliegenden "Gesundheitsbericht 2000" nunmehr zum dritten Mal dem Ersuchen des Nationalrates entsprochen, eine Darstellung der Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitswesens vorzulegen, heißt es in der Einleitung. Der Berichtszeitraum erstreckt sich zwar auf die Jahre 1996 bis 1998, auf wichtige aktuelle Entwicklungen, deren Beschreibung keine quantitativen Belege erfordert, wird jedoch eingegangen (III-94 d.B.).

GESUNDHEITSZUSTAND DER ÖSTERREICHER

Der stetige Anstieg der Lebenserwartung der österreichischen Bevölkerung hat sich auch im Berichtszeitraum (1996-1998) fortgesetzt. Die Lebenserwartung bei der Geburt beträgt nunmehr bei Männern 74,7 Jahre und bei den Frauen rund 81 Jahre. Eine 60-jährige Frau kann zurzeit noch weitere 23,6 Lebensjahre erwarten, ein ebenso alter Mann 19,36 Jahre. Verglichen mit anderen Industrieländern liegt Österreich damit im Mittelfeld, etwa auf dem Niveau von Belgien, Deutschland und Luxemburg. Eine höhere Lebenserwartung weisen Frankreich, Italien, Schweden, die Schweiz und auch Spanien auf. Unter den österreichischen Werten liegen Dänemark, Finnland, Portugal und die Türkei.

SÄUGLINGSSTERBLICHKEIT: UNTER DEM EU-DURCHSCHNITT

Die Säuglingssterblichkeit ist - entsprechend einem langjährigen Trend - kontinuierlich gesunken, und zwar von 8,1 Promille (1988) auf 4,7 Promille (1997). 1998 war jedoch ein leichter Anstieg auf 4,9 Promille bemerkbar, was auf eine Erhöhung der Sterblichkeit in der ersten Lebenswoche zurückzuführen ist. Unter den österreichischen Bundesländern hat das Burgenland die niedrigste Säuglingssterbeziffer, während Wien und Tirol, gefolgt von Vorarlberg und Salzburg, die höchste aufweisen. Im Vergleich mit dem Durchschnittswert der Länder der Europäischen Union gibt es in Österreich eine deutlich niedrigere Säuglingssterblichkeit.

TODESURSACHEN: 78 % DURCH HERZ-KREISLAUF- UND KREBSERKRANKUNGEN

Einleitend wird konstatiert, dass Österreich aufgrund der hohen Obduktionsquote auf eine qualitativ hochstehende Todesursachenstatistik zurückgreifen kann.

Auf die beiden großen Krankheitsgruppen Herz-Kreislauf (mehr als
50 %) und Krebs (23,8 %) sind im Jahr 1998 78 % aller Todesursachen zurückzuführen. Bei der Mortalität durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen inklusive Hirngefäßkrankheiten ist im langjährigen Durchschnitt eine sinkende Tendenz erkennbar, es besteht aber ein deutlicher Geschlechtsunterschied: 48,4 % bei den Männern und 59,5 % bei den Frauen. Es wird zudem darauf hingewiesen, dass vor allem die Todesursache "Herzkrankheiten" (insbesondere Herzinfarkt) keinen weiteren Rückgang erfahren hat. Mit diesen Werten liegt Österreich auch deutlich über dem Durchschnitt der Europäischen Union.

Bei der zweithäufigsten Todesursache Krebs (Männer 26,4 %; Frauen 21,5 %) haben sich unterschiedliche Trends herauskristallisiert. So ist etwa die Sterblichkeit an Magenkrebs, die generell sinkt, bei Männern doppelt so hoch wie bei den Frauen; während die Lungenkrebssterblichkeit bei Männern weiter sinkt, ist sie bei den Frauen weiter angestiegen, jedoch von einem weit niedrigeren Niveau aus. Verglichen mit der geschlechtsspezifischen durchschnittlichen Krebssterblichkeit in der EU weisen die Männer eine niedrigere, die Frauen aber eine höhere auf, was vor allem durch die höhere Brustkrebs- und Lungenkrebssterblichkeit bedingt ist.

Was die Sterblichkeitsrate durch Selbstmord betrifft, so liegt Österreich zwar nicht mehr im europäischen Spitzenfeld wie noch Mitte der achtziger Jahre, jedoch noch immer deutlich über dem Mittelwert der Länder der EU. Auffallend ist, dass bei beiden Geschlechtern gerade die sehr alten Menschen (ab dem 80. Lebensjahr) die höchsten Selbstmordraten aufweisen.

Dieses Kapitel gibt auch noch Auskunft über die Krankenhaushäufigkeit (stationäre Aufnahmen bezogen auf die Wohnbevölkerung), die ständig steigt und im Vergleich zu anderen Nationen sehr hoch ist: Über 2 Millionen im Jahr 1998 (plus 11 % gegenüber 1996). Die Zunahme der Krankenhausaufenthalte lässt sich zum Teil (rund 30 %) durch die steigende Zahl an "Nulltagespatienten" (tagesklinische und halbstationäre Fälle) erklären, erläutern die Autoren. Die häufigsten Gründe für die stationäre Aufnahmen liegen bei den Herz-Kreislauf-und den Krebserkrankungen (ein Viertel der Fälle), gefolgt von Verletzungen und Vergiftungen (rund 11 %) sowie orthopädische Erkrankungen und Krankheiten der Verdauungsorgane (jeweils rund 9 %).

GESUNDHEITSAUSGABEN: ÖSTERREICH LIEGT IM MITTELFELD

Nach der neuen Berechnungsmethode (Europäisches System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung - ESVG) beliefen sich die Gesundheitsausgaben im Jahr 1998 auf 216,21 Mrd. S, was einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt von 8,2 % (laut OECD-Daten) bzw. 8,3 % (laut Statistik Österreich) entspricht. Mit diesen Werten liegt Österreich im internationalen Vergleich (bezogen sowohl auf EU- als auch OECD-Staaten) im Mittelfeld. Eine im Juni 2000 publizierte Untersuchung der WHO bescheinigt dem österreichischen Gesundheitswesen hinsichtlich seiner Leistungsfähigkeit eine sehr gute Note. Österreich belegt bei dem Ranking der insgesamt 191 WHO-Mitgliedsländer den neunten Platz.

Die Analyse der Entwicklung der Ausgaben für die Krankenversicherungen zeigt, dass zwischen 1995 und 1998 die Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel sowie Heilbehelfe nach den Ausgaben für Rehabilitation (inkl. Hauskrankenpflege) am stärksten angestiegen sind.

RECHTLICHE GRUNDLAGEN

Im behandelten Zeitraum gab es eine Reihe von gesetzgeberischen Initiativen, die u.a. folgende Bereiche betrafen: Reorganisation des österreichischen Gesundheitswesens 1997 bis 2000, Ärztegesetz 1998, legistische Änderungen bei verschiedenen Gesundheitsberufen, Arzneimittelwesen, Gesundheitsförderung etc.

Bereits im Gesundheitsbericht 1997 wurde die Umstellung auf die Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung (LKF) angesprochen. Die Umsetzung diesbezüglicher Reformschritte war ein legistischer Schwerpunkt des Ressorts auch in dieser Berichtsperiode, betonen die Autoren.

ÄRZTLICHE VERSORGUNG UND DAS PERSONAL IM GESUNDHEITSWESEN

Ende 1998 bzw. mit Abschluss des Berichtszeitraumes haben in Österreich rund 33.700 Ärzte ihren Beruf ausgeübt, wobei 11.000 als Allgemeinmediziner und rund 17.100 als Fachärzte tätig sind. Rund 5.600 Ärzte standen in Ausbildung (Turnusärzte) - das waren etwa um 1.000 Turnusärzte weniger als im Jahr 995. Insgesamt verteilen sich die berufstätigen Ärzte je etwa zur Hälfte auf den intra- und auf den extramuralen Sektor.

Die Gesamtzahl der berufstätigen Ärzte ist somit zwischen 1980 und 1998 um rund 15.400 angestiegen. Die Anzahl der niedergelassenen Mediziner hat sich in diesem Zeitraum um 70 % erhöht, jene der angestellten Ärzte hingegen nahezu verdreifacht. Weiters sei feststellbar, dass in den letzten Jahren zunehmend mehr Ärzte nach der Turnusausbildung anstelle einer Praxiseröffnung im Krankenhaus verblieben.

Die nichtärztlichen Berufsgruppen in den Krankenanstalten umfassen die diplomierten Pflegekräfte, die Medizinisch-technischen Dienste, die Pflegehelfer, die Sanitätshilfsdienste sowie die Hebammen. Der in diesen Berufen gemeldete Personalstand betrug 1998 insgesamt 71.714 Personen, wobei ein Frauenanteil von über 80 % vorliegt. Die Beschäftigtenzahlen weisen im Zeitraum 1988 bis 1998 deutliche Anstiege auf. Im Bericht wird darauf hingewiesen, dass die stärksten Zuwächse beim Krankenpflegepersonal (rund 53 %) sowie bei den Medizinisch-technischen Dienste (rund 54 %) ermittelt wurden. Seit Mitte der neunziger Jahre hat auch im extramuralen Bereich eine erheblich Personalaufstockung stattgefunden, die jedoch mangels einschlägiger Dokumentation nicht quantifizierbar ist.

KRANKENANSTALTEN: MIT IMMER WENIGER BETTEN WIRD DAS AUSLANGEN GEFUNDEN

Die Anzahl der systemisierten Betten in den insgesamt rund 330 Krankenanstalten sank von rund 80.000 Ende 1992 auf 74.800 Ende 1998, jene der systemisierten (Akut-)Betten in den 157 Fonds-Krankenanstalten von 59.200 (1992) auf 54.200 (1998). Die Zahl der stationären Aufnahmen in den Fonds-Krankenanstalten erhöhte sich zwischen 1995 und 1998 um über 16 % auf fast 2,3 Mill., parallel dazu sank die durchschnittliche Belagsdauer um fast 18 % auf 6,4 Tage.

Die Autoren sprechen von einer Fortsetzung eines langjährigen Trends, der auch in anderen EU-Mitgliedsländern feststellbar ist und sich in Österreich mit der Einführung der Leistungsorientierten Krankenhausfinanzierung (per 1. Jänner 1997) noch etwas beschleunigte. Dieser Trend ist gekennzeichnet durch einen Anstieg der Zahl der Krankenhausaufnahmen, der jedoch eine sinkende Tendenz in der durchschnittlichen Belagsdauer gegenübersteht, sodass mit immer weniger Krankenhausbetten das Auslangen gefunden wird.

Mit dem Akutbettenabbau wurde hauptsächlich das Ziel der Kostendämpfung im stationären Akutbereich verfolgt. Die Reduktion der Kostensteigerungsraten im Bereich der Fonds-Krankenanstalten (von rund 9 % im Jahr 1994 auf rund 2 % im Jahr 1997 bzw. 3 % im Jahr 1998) kann als Erfolg im Sinne dieses Ziels gewertet werden.

PSYCHOSOZIALE VERSORGUNG: KEIN BEDARFSGERECHTES ANGEBOT

Mit 31. Dezember 1999 gab es in Österreich 5.269 PsychotherapeutInnen, 2.697 klinische PsychologInnen und 2.688 GesundheitspsychologInnen. Seit 1996 ist damit die Zahl der Berufsberechtigten um 42 % (Psychotherapie) bzw. um ein Drittel (klinische und Gesundheitspsychologie) angestiegen.
Obwohl es zu einer kontinuierlichen Zunahme von psychosozialen Diensten und komplementären Einrichtungen im Bereich der extramuralen psychiatrischen Versorgung gekommen ist, könne noch nicht von einem bedarfsgerechten Angebot gesprochen werden, meinen die Autoren des Berichts. Es gibt nämlich immer noch zu wenig entsprechende Einrichtungen und auch bedeutende regionale Unterschiede zwischen und innerhalb der Bundesländer im Versorgungsangebot.

Als wichtige Aktivität in diesem Bereich wird die Erstellung eines Psychiatrieplans und dessen Aufnahme in den Österreichischen Krankenanstalten- und Großgeräteplan genannt. Dieser sieht die Regionalisierung der stationären psychiatrischen Versorgung durch die Schaffung von 26 psychiatrischen Abteilungen an allgemeinen Krankenanstalten und den parallelen Aufbau eines flächendeckenden Angebots ambulanter Dienste und Einrichtungen vor.

GESUNDHEITSFÖRDERUNG UND -VORSORGE WEITER FORCIERT

Im Berichtszeitraum wurde das Gesundheitsförderungsgesetz beschlossen und damit die Basis dafür geschaffen, dass Prävention und Gesundheitsförderung mit einem Jahresbudget von 100 Mill. S massiv verstärkt und verbreitert wird. Damit sollen bereits etablierte Maßnahmen ausgebaut und weiterentwickelt sowie ein nationaler Plan zur Gesundheitsförderung ausgearbeitet werden. Im konkreten wird im Bericht noch auf folgende Bereiche näher eingegangen: Mutter-Kind-Pass, Vorsorgeuntersuchungen, Kariesprophylaxe, Rauchen, Alkohol, Drogen, Prävention von Infektionskrankheiten, Fonds Gesundes Österreich, Gesundheitsförderung im städtischen Bereich, im Krankenhaus, in Schulen und im Betrieb.

KOSTENSENKUNGSMASSNAHMEN IM ARZNEIMITTELBEREICH

1996 wurde eine große Arzneimittelgesetznovelle verabschiedet, die u.a. ein neues EU-Gemeinschaftszulassungsverfahren im österreichischen Recht etabliert. Weiters wurde die Arzneimittelüberwachung und Sonderregelungen für radioaktive Arzneimittel an EU-Richtlinien angepasst. Vom Ressort wurden auch Maßnahmen zur Dämpfung der Arzneimittelausgaben gesetzt. So konnten u.a. Anfang 1997 die Spannen des Großhandels und der Apotheken reduziert werden; eine neuerliche Senkung trat mit 1. Juni 2000 in Kraft. Darüber hinaus wurden von den Krankenkassen Sparmaßnahmen eingeleitet, die die pharmazeutische Industrie und die Apotheker betrafen.

AUSBILDUNG DER ÄRZTE UND DES GESUNDHEITSPERSONALS

In Erfüllung der Vorgaben seitens der Europäischen Union wurde durch das Universitäts-Studiengesetz ein EU-konformes Zahnarztstudium eingeführt. Eine vollständige Neuregelung brachte zudem das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz, das zwischen eigenverantwortlichen, mitverantwortlichen, interdisziplinären und erweiterten Tätigkeitsbereichen unterscheidet und eine Abgrenzung zu anderen Gesundheitsberufen vornimmt. Erstmals werden auch Berufspflichten wie Dokumentationspflicht, Verschwiegenheitspflicht, Anzeige-, Melde- und Auskunftspflicht explizit festgeschrieben. Im Februar 1998 wurde zudem das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) mit der Entwicklung bzw. Überarbeitung der Curricula für die Ausbildungen in den Gesundheits- und Krankenpflegeberufen beauftragt.(Schluss)

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