"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Wissen und Glaube" (von Claus Reitan) Utl.: Ausgabe vom 14.4.2001

Innsbruck (OTS) - Britische Zeitungen bringen in diesen Ostertagen harte Bilder mit bitteren Texten. Die Fotos zeigen Schafe, die wegen der Maul- und Klauenseuche ihre kahl gefressenen Weiden nicht verlassen dürfen, und dort im Schlamm verenden. Die Texte

sprechen vom Osterlamm 2001. Und das in einem Land, in dem mit dem geklonten Schaf Dolly ein Höhepunkt der Wissenschaft, namentlich der Gentechnik, erreicht worden sein soll. Denn die Gentechnik habe, so heißt es, das Geheimnis des Lebens entschlüsselt.

Ein großer Skeptiker in diesen Dingen, Papst Johannes Paul II., feiert mit der Christenheit zu Ostern ein starkes Glaubensbekenntnis, nämlich jenes der Überwindung des Todes. Und stößt seinerseits auf Skepsis.

Waren es nicht die Naturwissenschaften, die den Menschen vom Schrecken der Hölle befreit hätten? Seien es nicht wiederum Vernunft und Wissenschaften, die den göttlichen Schöpfungsakt entzaubern? Und die mit der Gentechnik dort tatsächliche Heilung anbiet en, wo der Glaube lediglich Trost spende?

In allem steckt ein Kern an Wahrheit. Und in jeder Übertreibung ein Irrtum.

Schon der große Denker Martin Buber meinte, es gehe nicht um Entweder-Oder sondern um das Und. Auch Johannes Paul II. schrieb:
"Glaube und Vernunft sind die beiden Flügel, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt."

Ein Leben in Wahrheit braucht beides, Wissen und Glauben. Die Kirche hat ihre frühen harten Urteile über Wissenschafter korrigiert. Hat es vorrangig der Vernunft überlassen, die konkreten Probleme zu lösen, aber Gerechtigkeit und Gewissen einzumahnen. Un d sie konzentriert sich auf die Botschaft der Erlösung.

Die Hoffnung auf Heil steckt in allen Religionen. Ob der römische Pontifex die Brücke zu den anderen Religionen baut, ist unsicher. Den Weg dazu hat er mit seinem Und geebnet. Denn es gibt das Christentum und andere Religionen. Und deren Versöhnung ist e in Gebot der Vernunft. Das wissen wir. Dass Versöhnung gelingt, wollen wir glauben.

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