WirtschaftsBlatt-Kommentar über die Volkszählung von Herbert Geyer Der Kampf um jeden Bürger ist gut

Wien (OTS) - Österreichs Gemeinden geht es ziemlich schlecht. Dazu hätte es gar nicht erst der Aufhebung der Getränkesteuer durch den Europäischen Gerichtshof bedurft. Gesetzliche Vorgaben (wie Vorschriften für Quantität und Qualität von Abwasserbeseitigungsanlagen), steigende Ansprüche an die Infrastruktur der Wohnumgebung und bestenfalls gleichbleibende Einnahmen bringen die Kommunen ganz schön unter Druck. Die Steuergeld-Zuteilungen, die von der Bevölkerungszahl abhängen, sind für die Gemeinden überlebenswichtig. Und wenn - wie eben jetzt - eine Volkszählung ansteht, die über eine Neuverteilung dieser Gelder entscheidet, dann ist es verständlich, dass sich die Gemeinden etwas einfallen lassen, um das Stück vom Kuchen, das ihnen zukommt, ein bisschen grösser ausfallen zu lassen. Erste Werbeaktionen, die dazu dienen sollten, ein paar Dutzend schwankende Einwohner ans eigene Ufer zu ziehen, um eine bestimmte Bevölkerungsgrenze zu überschreiten, jenseits der mehr Geld vom Staat zu holen ist, hat es in den letzten Jahrzehnten immer wieder gegeben. Heuer jedoch - wo es den Gemeinden so dreckig geht wie seit Jahrzehnten nicht mehr - sind sämtliche Dämme gebrochen: Da werden Autos verlost, Freifahrtscheine verteilt, Warengutscheine verschenkt oder gleich Bargeld unter die Leute verstreut. Und was in früheren Jahren für einzelne Gemeinden durchaus noch Erfolg brachte, scheint heuer, wo es fast alle machen, geradewegs ins Desaster zu führen: Denn alles zusammen kosten diese Werbeaktionen bereits so viel, wie die Gemeinden für die Abhaltung der Volkszählung vergütet erhalten, um die es dabei eigentlich geht. Und am Schluss werden einige wenige Gewinner übrig bleiben. Und eine ganze Masse an Verlierern. Es ist verdienstvoll, dass einige Bundesländer bereits zur allgemeinen Abrüstung blasen (siehe Bericht oben). Aber auch bei den anderen sollte schleunigst wieder Vernunft einkehren. Konkurrenz ist gut. Und Gemeinden haben durchaus Möglichkeiten, ihre Bürger von ihren Vorzügen zu überzeugen. Zum Beispiel durch besseren Service, durch mehr Bürgernähe, durch raschere und unbürokratische Abwicklung von Behördenwegen. Teure Geldgeschenke sind kein probates Mittel. Sie führen geradewegs in den Ruin. (Schluss) hg

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