"Wirtschaftslage und Prognose - Stand April 2001"

Neuerscheinung aus 'Zahlen, Daten, Fakten'

Wien (PWK280) - Die Entwicklung der internationalen Konjunktur ist gegenwärtig von einer merklich nachlassenden Dynamik gekennzeichnet. Die Verschlechterung der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen geht zu einem wesentlichen Teil auf den konjunkturellen Einbruch in den USA zurück, wo für 2001 nun nur noch ein reales Wirtschaftswachstum in der Größenordnung von 1 % (gegenüber dem bisherigen "soft landing"-Szenario mit einer Wachstumsabschwächung auf lediglich 2 bis 2,5 %) erwartet wird. Unter der Voraussetzung, dass die derzeit labile Lage in den USA nicht in massiven Einbrüchen der Aktien- und Immobilienmärkte mündet, könnte das Wirtschaftswachstum bereits 2002 wieder auf etwa 2 % anziehen.

Europa ist von der Konjunkturabkühlung in den USA und den davon ausgehenden indirekten Wachstumseinbußen in abgeschwächter Form und zeitverzögert ebenfalls betroffen. Für heuer muss die Europäische Union insgesamt mit einer Wachstumsverlangsamung auf 2,3 % rechnen. Der Tiefpunkt der europäischen Konjunktur wird - mit Wachstumsaussichten von etwa 1,8 % - erst 2002 erwartet.

Vor dem Hintergrund der nunmehr ungünstigeren internationalen Rahmenbedingungen haben sich auch die Wachstumsaussichten für Österreichs Wirtschaft im heurigen und im kommenden Jahr verschlechtert. In beiden Jahren wird die 2 %-Marke voraussichtlich nur noch geringfügig überschritten (2,2 % und 2,1 % gegenüber bisher erwarteten Wachstumsraten von 2,6 bzw. 2,8 %). Der Revisionsbedarf geht fast ausschließlich auf moderatere Exportprognosen und auf die sich dadurch verringernde Investitionsneigung der exportorientierten Unternehmen zurück.

Nach einer Steigerungsrate der Warenexporte von nominell fast 15 % im Vorjahr, sind 2001 und 2002 nur noch Zuwächse von 8,1 % bzw. 7,3 % zu erwarten. Das Nachlassen der Exportdynamik bremst auch das Wachstum im produzierenden Bereich. Nach einer Zunahme der realen Wertschöpfung im Vorjahr um 8,2 % darf der Sachgüterbereich heuer nur noch mit einem Plus von 3,8 % und 2002 von 3 % rechnen.

Parallel zu den ungünstiger gewordenen Absatzchancen sinkt auch die Investitionsbereitschaft. Insgesamt dürfte das reale Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen heuer nur bei 2,8 % liegen und 2002 voraussichtlich 3,8 % betragen. Investitionsstabilisierend wirken sowohl der allgemeine Wettbewerbsdruck und ein hoher Bedarf an Informations- und Kommunikationstechnologien, wodurch die Unternehmen auch unabhängig von den konkreten Absatzmöglichkeiten gezwungen sind, einen Teil ihres Kapitalstocks laufend zu erneuern.

Die privaten Konsumausgaben werden sich 2001 und 2002 mit einem realen Plus von jeweils 2 % merklich verhaltener entwickeln als im Vorjahr (+ 2,7 %). Sie bleiben damit eine verlässliche Konjunkturstütze. Es wird angenommen, dass ein Teil der durch die Budgetkonsolidierung hervorgerufenen Einkommensminderungen durch eine Verringerung der Sparneigung aufgefangen wird.

Die Teuerung geht von 2,3 % (2000) voraussichtlich auf 1,7 % (2001) und 1,3 % (2002) zurück. Dazu trägt in erster Linie der Wegfall des Basiseffektes der Energiepreissteigerungen bei.

Auf dem Arbeitsmarkt führt die nachlassende Wirtschaftsdynamik zu einer Verlangsamung des Beschäftigungswachstums. Insgesamt ist 2001 ein um rund 15.000 höherer Beschäftigtenstand als heuer zu erwarten. 2002 hingegen dürfte die Zahl der Beschäftigten insgesamt erstmals seit 1996 wieder leicht sinken (-5.000). Differenziert nach Wirtschaftsbereichen sind vor allem die Sachgütererzeugung, der öffentliche Bereich und die Bauwirtschaft deutlich stärker betroffen als der private Dienstleistungsbereich.

Die Budgetkonsolidierung kam im Vorjahr besser voran als ursprünglich erwartet. Das Finanzierungsdefizit des Gesamtstaates betrug 1,1 % des BIP. Zur Defizitreduktion trugen neben der guten Konjunkturlage auch einnahmenseitige Maßnahmen kräftig bei (Erhöhung von indirekten Steuern, UMTS-Lizenzen). Obwohl der weitere Weg der Konsolidierung nun konjunkturbedingt erschwert wird, könnte der Finanzierungssaldo 2001 auf 0,4 % des BIP sinken. 2002 scheint das Erreichen eines "Nulldefizites" nach wie vor möglich, strikte Budgetdisziplin aller Gebietskörperschaften und strukturelle Maßnahmen auf der Ausgabenseite sind dazu aber unbedingt erforderlich.

Diese und weitere aktuelle Konjunkturtrends des WIFO mit den wichtigsten Eckdaten für Österreichs Wirtschaft 2001 und 2002 finden sich in der von Mag. Anton Hauth, Abteilung für Statistik der Wirtschaftskammer Österreich, verfassten Broschüre 'Wirtschaftslage und Prognose - Stand: April 2001, die im Mitgliederservice der Wirtschaftskammer Österreich, Telefon 01/501 05/DW 5050, Fax: 01/501 05/236, e-mail: mservice@wko.at sowie über Internet:
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