Pharmawirtschaft hat Hausaufgaben gemacht - Gesamttext

(Wien/OTS) Erstmals traten heute, Freitag, 13.4.2001, Repräsentanten der Pharmawirtschaft aller Handelsstufen (Pharmaindustrie, Großhandel, Apotheken) gemeinsam an die Öffentlichkeit, um die aktuellsten politischen Entwicklungen im Zusammenhang mit den von der Regierung geplanten Einsparungen bei Arzneimitteln im Lichte neuester Fakten zu präsentieren.

Neuesten Berechnungen zufolge wird die Pharmawirtschaft - zusätzlich zu den Einsparungen aus dem vergangenen Jahr - 2001 einen weiteren Solidaritätsbeitrag in Höhe von 1,1 Milliarden Schilling leisten.

Die Ausgaben der Sozialversicherung für Medikamente, die im langjährigen Schnitt jährlich jeweils um 8,3 Prozent angestiegen waren (was dem europäischen Durchschnitt entspricht, Anm.) kippen im Jahr 2001 dramatisch nach unten. Der "Block Medikamente" sinkt im ersten Quartal 2001 netto um minus drei Prozent zugunsten der Sozialversicherung.

"Die gesamte Pharmawirtschaft hat also ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Verantwortung voll wahrgenommen", sagte Dr. Eberhard Pirich von der Wirt
schaftskammer Österreich (WKÖ). Umso mehr schmerze es daher, dass die Regierung mit ihrer neuen Inseratenkampagne den Eindruck vermittelt, dass allein mit Verwaltungseinsparungen und Einsparungen bei Medikamentenpreisen das Gesundheitswesen saniert werden könne. Pirich: "Das ist nicht richtig und steht im Widerspruch zum Sozialpartner-Papier".

Zwt.: Vernunft muss Vorrang haben!

"Die Pharmawirtschaft hat seit Jahren ihre Solidaritätsbeiträge für die Sozialversicherung geleistet", gab Pirich zu bedenken. "Es kann aber nicht sein, dass einzig und allein Preis- und Spannensenkungen als "Allheilmittel" zur Ausgabendämpfung der Sozialversicherung dienen", so Pirich weiter. Er forderte daher als sinnvolle weiterführende und langfristig wirksame Maßnahmen die Öffnung des Preisbandes von Generika als Anreiz zur Verordnung dieser Produkte (auch, um innovativen Medikamenten mehr Spielraum beim Marktzutritt zu geben), die Revision des zeitraubenden und kostspieligen Aufnahmeverfahrens von Arzneimitteln ins Heilmittelverzeichnis der Sozialversicherung und die Anerkennung der Wirtschaftskraft der Pharmaunternehmen, besonders im Export-Bereich.

Zwt.: Pharmig: Strukturreformen statt Panik-Aktionen

Langfristige Strukturreformen im heimischen Gesundheitswesen forderte Pharmig-Präsident Dr. Ulrich H. Bode seitens der Regierung ein. Seit Jahren sei es einzig und allein die Pharmaindustrie gewesen, die auf Reformen gedrängt und dazu auch konkrete Vorschläge geliefert habe.

Das "Integrierte Gesundheitssystem" der Pharmig, das einen Diskussionsansatz zur Umformung des Gesundheitswesens aus ganzheitlicher Sicht darstellt und
bereits vor 13 Jahren erstmalig präsentiert wurde, sei zwar im Bereich der Gesundheitspolitik wohl bekannt und verbal auch anerkannt, doch, so Bode, "passiert ist eigentlich nichts". Nach wie vor würden kurzfristigen Maßnahmen der Vorzug vor langfristig wirksamen gegeben werden. Bode: "Und das ist schade".

Zwt.: Pharmaindustrie muss gleichberechtigter Partner sein!

Bode gab weiters zu bedenken, dass auch andere wichtige Impulse, die zu einem vernünftigen Umgang mit Arzneimitteln auf allen Ebenen des Gesundheitswesens führen sollen, auf den Unternehmensgeist der Pharmaindustrie zurückzuführen sind. So wurde etwa die Initiative Arznei & Vernunft von der Pharmig erdacht. Seit 1994 wird sie als Kooperationsprojekt der Pharmawirtschaft und
des Hauptverbandes der Sozialversicherungen sehr erfolgreich durchgeführt und ist seit dem Jahr 2000 auch im Regierungsprogramm fix verankert.

Weiters nannte Bode dazu auch das von der Regierung und den Sozialpartnern favorisierte "grüne Rezept", das ebenfalls auf eine Aktion der Initiative Arznei & Vernunft aus dem Jahr 1995 zurückgeht. "Es muss endlich anerkannt werden, dass die Pharmaindustrie ein gleichberechtigter Partner im Gesundheitswesen ist, der bereit und befähigt ist, an politischen Entscheidungen im Gesundheitsbereich mitzuarbeiten", sagte der Pharmig-Präsident.

Zwt.: Großhandel: Große Leistung , kleiner Preis

"Der österreichische Großhandelsaufschlag wurde per 1. Juni 2000 mit ministerieller Verordnung um rund zehn Prozent gesenkt. Allein daraus ergibt sich im Jahr 2001 zusätzlich eine Spannenminderung von rund 130 Millionen Schilling. Da diese Großhandelsspannensenkung auch die Apothekenverkaufspreise mindert, resultiert eine Gesamtabsenkung der Arzneimittelkosten für Krankenkassen und Konsumenten von ca. 200 Millionen Schilling", berichtete Dr. Johann Kwizda, Vorsitzender der Bundesberufsgruppe Pharmagroßhandel in der WKÖ beim heutigen Pressegespräch der Pharmawirtschaft in Wien.

Zwt.: Nur bei Mehrwertsteuer über Europa-Schnitt

Kwizda betonte, dass allen seriösen Studien zufolge (z.B. Univ. Prof. Dr. Werner Clement, IWI, 2000) die heimischen Arzneimittelpreise in Österreich auf allen Handelsstufen nach Kaufkraftparitäten oder aber auch nach Wechselkursen gerechnet unter dem europäischen Durchschnitt liegen. So liegt nach Kaufkraft der durchschnittliche europäische Fabriks-/Depotabgabepreis pro Packung 13,9 Prozent über dem österreichischen, der durchschnittliche europäische Großhandelsaufschlag um 18,6 Prozent über dem österreichischen und der durchschnittliche europäische Großhandelsaufschlag pro Einwohner um 20,3 Prozent über dem österreichischen Wert. Einzig die österreichische Mehrwertsteuer ist mit 20 Prozent eine der höchsten in Europa und liegt weit über dem europäischen Durchschnitt.

Zwt.: "Minimieren, rationalisieren, investieren!"

Das Bekenntnis des Großhandels, wie Dr. Johann Kwizda ausführte, heißt also, Kosten minimieren, rationalisieren, aber auch zur Erhaltung der Leistungskraft der österreichischen Großhandelsbetriebe investieren. Es müsse nämlich im Interesse der Gesundheit der österreichischen Bevölkerung weiterhin ermöglicht werden, GDP-Standards (GDP= good distribution practice, Anm.), wie in Europa gefordert, auch in Österreich zu gewährleisten.

Apotheken: Leistungskürzungen nicht akzeptabel

"Die Ausgabensteigerungen der Sozialversicherung für Arzneimittel konnten im letzten Jahr stark eingebremst werden. Dabei hat das Solidaritätsmodell der Apotheken eine wesentliche Rolle gespielt", sagte Dr. Herbert Cabana, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer.

In den letzten sechs Monaten gaben die Krankenkassen, so Cabana, für Arzneimittel weniger aus als in dem ein Jahr zurück liegenden Vergleichszeitraum. Die Apotheken würden, sagte der Präsident, einen verstärkten Generika-Einsatz mit tragen, weil damit kein Qualitätsverlust für PatientInnen verbunden sei. Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Patienten, die eine Leistungseinschränkung mit sich brächten, lehnt die Apothekerkammer jedoch als "nicht akzeptabel" ab.

Zwt.: Nutzen von Arzneimitteln muss anerkannt werden

"Als Apotheker kann ich mich jeden Tag neu davon überzeugen, welchen Nutzen die Patienten von der richtigen Anwendung von Arzneimitteln haben", betonte Cabana. Der Apothekerkammer-Präsident weiter: "Schon heute geht die österreichische Bevölkerung mit Arzneimitteln sehr sorgfältig um. Das kann man auch im internationalen Vergleich feststellen, wo Österreich mit 20,5 Packungen pro Person und Jahr weit unter dem EU-Schnitt (25 Packungen pro Person und Jahr) liegt. ++/rm

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