"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Irrweg in Nahost" (von Monika Dajc)

Ausgabe vom 13. 4. 2001¶

Innsbruck (OTS) - Als ob Jahrzehnte leidvoller Erfahrung nicht bewiesen hätten, dass die Lösung kein Diktat sein kann, setzen Israel und die Palästinenser immer ausschließlicher auf Gewalt. Jedem Schlag folgt noch härtere Vergeltung. Man kann auf dem Irrweg verharren. Nur ist jeder der Verantwortlichen gebeten, sich das Ende auszumalen. Es wird mit Sicherheit nicht die von Israel ersehnte Sicherheit und auch nicht das mit Wohlstand und Freiheit gesegnete Land der Palästinenser sein.

Politische Provokationen bewirken noch ein Übriges, um die Atmosphäre zu vergiften. Jüngstes Beispiel: Der Plan der Regierung Sharon, zwei große Siedlungen im Westjordanland um 708 Wohneinheiten zu erweitern. Und der Regierungschef ging gleich noch einen Schritt weiter: Selbst im Falle eines Friedensschlusses würde Israel keine einzige Siedlung in den Palästinensergebieten abbauen. Völkerrechtswidrige Siedlungen, von linken und rechten Regierungen seit 1967 unablässig gefördert, wurden in der Folge zu massiven Friedenshindernissen. Unhaltbare Gebietsansprüche werden durch Stacheldraht, Gewalt und biblische Argumente untermauert.

Internationale Appelle zu Vernunft und historischer Verantwortung vermochten die Spirale der Eskalation seit dem vorigen Herbst nicht zu bremsen. Der Schlüssel zum einzig zukunftsweisenden Weg liegt auch nicht in Washington, New York oder Moskau. Israel und die Palästinenser müssen die überfälligen Konsequenzen ziehen: Sie werden einander akzeptieren müssen - als gleichwertige Partner.

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