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Klagenfurt (OTS) - Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Nur der Tod entmündigt

Utl: Ausgabe vom 13. Apr. 2001=

Vor etwa 2000 Jahren, an einem Freitag wie diesem,
schrie in Jerusalem ein verhetzter Mob "kreuzige ihn!". Es war eine Art Volksabstimmung über "aktive Sterbehilfe" für einen, der zur gesellschaftlich-politischen Belastung geworden ist. Es war eine das Recht außer Kraft setzende Abstimmung gegen das Leben.
Wenn heute die SPÖ-Jugend zum Thema Euthanasie eine Volksabstimmung andenkt, dann gestattet sich zwar keinerlei Vergleich - außer in einem Punkt: Der personale Tod kann nie Gegenstand eines Plebiszits sein. Ich kann nicht alle fragen, ob einer sterben will. Ich kann nur mich fragen, ob ich leben will.
Eine Volksabstimmung zur aktiven Sterbehilfe ist ein rechtliches, politisches und moralisches Unding. Schon Umfragen dazu sind mehr als problematisch, weil sie nicht deutlich danach fragen, ob ich, sondern undeutlich danach fragen, ob andere getötet werden wollen. Mit solchen Umfragen die Euthanasie begründen zu wollen, ist Selbstbetrug, ist Lebenslüge.
Jenen den Tod leicht machen zu wollen, denen das Leben schwer genug gemacht worden ist, mag ja hübsch aussehen. Humaner aber wäre es, zuerst das Leben leichter und erträglicher zu machen, bevor ein "sozial verträgliches Frühableben" dem alten Menschen unter offenem Hinweis auf seine tatsächlichen Schmerzen und verstecktem Hinweis auf seine angebliche Nutzlosigkeit nahe gelegt wird. Das Sterbenwollen alter Menschen ist fast immer Resultat dessen, dass ihnen deutlich gemacht worden ist, sie seien eine Belastung für Gesellschaft und Familie.
Und Umfragen, wie wir sie schon haben und eine Volksabstimmung, wie wir sie andenken, sind deutliche Belege dafür, dass wir uns für den alten, leidenden Menschen nichts Sinnvolleres vorstellen können oder wollen, als dass er nicht mehr ist. Die Belastung, als die sich der alte Mensch aufgrund unseres eigenen Gejammers erfährt, ist jene, die wir noch jüngeren nicht willens oder fähig sind zu tragen. So läuft Sterbehilfe Gefahr, sozial verträgliche Entsorgung unserer Last zu werden, von der wir behaupten, sie sei das Leid der Alten.
Es gibt nur eine Möglichkeit: Nicht der Tod gehört erleichtert, sondern das Leben. Nicht das Leben gehört abgebrochen, sondern dem Tod der Stachel genommen. Billig dahergesagt angesichts unheilbarer Schmerzekstase? Frage: Wer kann in welcher Phase des Lebens verbindlich erklären, dass man ihn dann und dann töte, ohne damit gleichzeitig seinen freien Willen bei der Euthanasiebehörde abzugeben? Der Schmerz entmündigt nicht. Nur die Einwilligung in den Tod entmündigt uns alle.

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