- 12.04.2001, 20:34:31
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Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik/Sterbehilfe
Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Nur der Tod entmündigt
Utl: Ausgabe vom 13. Apr. 2001=
Klagenfurt (OTS) - Vor etwa 2000 Jahren, an einem Freitag wie diesem,
schrie in Jerusalem ein verhetzter Mob "kreuzige ihn!". Es war eine
Art Volksabstimmung über "aktive Sterbehilfe" für einen, der zur
gesellschaftlich-politischen Belastung geworden ist. Es war eine das
Recht außer Kraft setzende Abstimmung gegen das Leben.
Wenn heute die SPÖ-Jugend zum Thema Euthanasie eine Volksabstimmung
andenkt, dann gestattet sich zwar keinerlei Vergleich - außer in
einem Punkt: Der personale Tod kann nie Gegenstand eines Plebiszits
sein. Ich kann nicht alle fragen, ob einer sterben will. Ich kann nur
mich fragen, ob ich leben will.
Eine Volksabstimmung zur aktiven Sterbehilfe ist ein rechtliches,
politisches und moralisches Unding. Schon Umfragen dazu sind mehr als
problematisch, weil sie nicht deutlich danach fragen, ob ich, sondern
undeutlich danach fragen, ob andere getötet werden wollen. Mit
solchen Umfragen die Euthanasie begründen zu wollen, ist
Selbstbetrug, ist Lebenslüge.
Jenen den Tod leicht machen zu wollen, denen das Leben schwer genug
gemacht worden ist, mag ja hübsch aussehen. Humaner aber wäre es,
zuerst das Leben leichter und erträglicher zu machen, bevor ein
"sozial verträgliches Frühableben" dem alten Menschen unter offenem
Hinweis auf seine tatsächlichen Schmerzen und verstecktem Hinweis auf
seine angebliche Nutzlosigkeit nahe gelegt wird. Das Sterbenwollen
alter Menschen ist fast immer Resultat dessen, dass ihnen deutlich
gemacht worden ist, sie seien eine Belastung für Gesellschaft und
Familie.
Und Umfragen, wie wir sie schon haben und eine Volksabstimmung, wie
wir sie andenken, sind deutliche Belege dafür, dass wir uns für den
alten, leidenden Menschen nichts Sinnvolleres vorstellen können oder
wollen, als dass er nicht mehr ist. Die Belastung, als die sich der
alte Mensch aufgrund unseres eigenen Gejammers erfährt, ist jene, die
wir noch jüngeren nicht willens oder fähig sind zu tragen. So läuft
Sterbehilfe Gefahr, sozial verträgliche Entsorgung unserer Last zu
werden, von der wir behaupten, sie sei das Leid der Alten.
Es gibt nur eine Möglichkeit: Nicht der Tod gehört erleichtert,
sondern das Leben. Nicht das Leben gehört abgebrochen, sondern dem
Tod der Stachel genommen. Billig dahergesagt angesichts unheilbarer
Schmerzekstase? Frage: Wer kann in welcher Phase des Lebens
verbindlich erklären, dass man ihn dann und dann töte, ohne damit
gleichzeitig seinen freien Willen bei der Euthanasiebehörde
abzugeben? Der Schmerz entmündigt nicht. Nur die Einwilligung in den
Tod entmündigt uns alle.
Rückfragehinweis: Kärntner Tageszeitung
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