DER STANDARD-Bericht: "Wartezeiten bei Strommarktöffnung: Regulator Boltz rechnet Anfang Oktober mit bis zu 30.000 wechselwilligen Haushalten" - Erscheinungstag 13.4.2001 (Günther Strobl)

Wien (OTS) - Die Vollliberalisierung des Strommarktes in
Österreich wird nach Ansicht von Stromregulator Walter Boltz Anfang Oktober zu teilweise längeren Staus in den Telefonzentralen und Anmeldestellen der Energieversorger (EVU) führen.

"Wir erwarten, dass in einem ersten Schwung bis zu 30.000 Haushalte oder ein Prozent der infrage kommenden Kleinverbraucher ihren Stromversorger wechseln werden. Der Wechsel wird aber nicht für jeden Haushalt sofort möglich sein", sagte Boltz im Gespräch mit dem Standard. "Einige Wechselwillige werden Wartezeiten von ein paar Wochen in Kauf nehmen müssen, bis sie von einem EVU ihrer Wahl versorgt werden können."

In Österreich sei die Rechtslage klarer als anderswo, sagte Boltz. Deshalb würden die kleinen Stromverbraucher in Österreich die ab 1. Oktober bestehende Chance der freien Lieferantenwahl auch in höherem Ausmaß nützen, als dies in anderen Ländern zu Beginn der Marktliberalisierung geschehen ist. In Deutschland haben seit der Marktöffnung vor zweieinhalb Jahren erst knapp zwei Prozent der Haushalte ihren Versorger gewechselt; in Großbritannien hat das etwa jeder Vierte getan - allerdings im Zeitraum von fast acht Jahren.

Boltz geht davon aus, dass nach dem ersten Schub an Wechselwilligen weitere Haushalte folgen werden. Ob die Liberalisierung als Erfolg beurteilt werden könne, hänge aber nicht vom Prozentsatz der Haushalte ab, die tatsächlich wechseln. Die Marktöffnung sollte den Konsumenten neben günstigeren Preisen auch bessere Dienstleistungen bringen. "Das ist zum Teil bereits geschehen und wird noch weiter gehen", sagte Boltz, "Wettbewerb belebt die Sinne."

Boltz, der den Job als Stromregulator Anfang März angetreten hat, zweifelt trotz des engen Zeitkorsetts nicht daran, dass der 1. Oktober als Termin für die Vollliberalisierung des Strommarktes gehalten werden kann. "Es wird nicht alles perfekt sein, mit mancher Rechnung kann es anfangs Probleme geben", sagte Boltz. Mit etwas gutem Willen aller Beteiligten sollte das zu schaffen sein.

Die für das Funktionieren eines freien Marktes nötigen Regeln seien in Ausarbeitung und ab 2. Mai im Internet abrufbar. Als eine der wichtigsten Aufgaben der Regulierungsbehörde bezeichnete der Stromregulator die Harmonisierung der in Österreich regional sehr unterschiedlichen Stromdurchleitungstarife.

Billigerer Strom

Diese liegen derzeit in einer Bandbreite zwischen 45 Groschen und einem Schilling je Kilowattstunde, die Differenz beträgt somit mehr als 100 Prozent. Sollte es gelingen, die Bandbreite in einem ersten Schritt auf etwa 60 Prozent zu verringern, sei dies schon ein Erfolg, so Boltz.

Wie beim Telefon wird man ab Oktober eine Art Grundgebühr zahlen, mit der die Kosten für das Stromnetz abgedeckt sind. Als zweiter Posten auf der Rechnung wird der effektive Stromverbrauch aufscheinen. Sowohl Durchleitungstarif als auch effektiver Strompreis werden sich nach Einschätzung von Boltz infolge der Liberalisierung nochmals verbilligen.

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