WirtschaftsBlatt-Kommentar - "Gegenmeinung: Der Euro als Scheinproblem" von Jens Tschebull

Ein Contra zu Bericht und Kommentar von Sabine Radl am vergangenen Mittwoch:

Wien (OTS) - Die Einführung des Euro ist die grösste und bestvorbereitete Währungsumstellung der Geschichte. Interessierte Europäer wissen, dass der Bargeldumtausch ab 1. Jänner nur noch einen formalen Abschluss bildet. Die wenig Interessierten wissen auch von der alten Währung nur, dass sie möglichst viel davon haben wollen. Die technischen Probleme des Bargeldumtausches werden medial aufgebauscht wie die Sonnenfinsternis oder die Computerumstellung anlässlich der Jahrtausendwende. (Wer erinnert sich noch an diesen Angstmacher?) Tatsächlich wird die Umstellung nach ein paar hektischen Tagen eine Entlastung für alle Teile der Wirtschaft bringen, wenn die doppelten Währungszeilen endlich aus Jahresberichten, Bankauszügen und (gesetzlich künstlich verlängert) auch von den Preisschildern verschwunden sind. Grossmärkte werden wohl Eurokassen für die Geviften und Schillingkassen mit Eurowechselgeld für die Bremser offen halten. Eifrige Euro-Berater aus Kammern, Geldinstituten und sonstigen wohltätigen Institutionen bemuttern die Österreicher wie grenzdebile Mündel und nicht wie aufgeklärte Bürger, die alle Jahre im Urlaub mit neuen Währungsgrössen umzugehen lernen. Der beste Rat, den man zum Geldumtausch im Privatbereich geben kann, ist, sich ab 15. Dezember "Startpakete" im Wert von je 200 Schilling zu besorgen und im übrigen alle nach den Weihnachtseinkäufen allenfalls verbliebenen Bargeldreste in Girokonten und Sparbücher zu stecken und dort zu vergessen, bis sie nach dem 1. Jänner als Euro wieder herauskommen. Für Unternehmer besteht die wichtigste EuroAufgabe darin, die Chancen auszuloten, die sich dank der Einheitswährung für Zusatzgeschäfte im gesamten Euroraum ergeben. Für Überschlagsrechnungen ist der Kurs von 13,7603 Schilling pro Euro zu kompliziert. Am klügsten wird es sein, bei einer ersten Grobkalkulation als Käufer mit 15 und als Verkäufer mit 13 S pro Euro zu rechnen. Wenn der Preis bei diesem vorsichtigen Umrechnungskurs akzeptabel erscheint, kann man getrost zuschlagen. Aber heute in einem Jahr wird sich jeder unter 70, der noch in Schilling denkt, ohnehin ob seiner Rückständigkeit genieren. (Schluss) JT

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