Prammer: Neue Broschüre zur gemeinsamen Obsorge soll den Betroffenen "mit Rat und Tat zur Seite stehen"

Wien (SK) Die neue Broschüre "Keine Sorge mit der Obsorge" soll die Tücken der gemeinsamen Obsorge, die mit Juli 2001 mit dem neuen Kindschaftsrecht in Kraft treten wird, transparent machen und den Betroffenen "mit Rat und Tat zur Seite stehen". Bei der Präsentation der von der "Plattform für das Recht des Kindes auf klare Verhältnisse nach der Trennung" herausgegebenen Broschüre erklärte SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer am Donnerstag, dass die SPÖ-Frauen nicht müde werden zu versuchen, die Neuregelung der Obsorge - eine "Nacht- und Nebelaktion der Regierung" - zu Fall zu bringen. ****

Wie Prammer erklärte, würde die gemeinsame Obsorge dazu führen, dass "Kinder zum Spielball im Rosenkrieg" werden; Streitereien würden verlängert. Als Beispiel führte die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende einen Streit über die Auswahl der Schule für ihr Kind an, der dazu geführt habe, dass das Kind erst drei Tage vor Schulbeginn wusste, in welche Schule es gehen werde. "Kinder brauchen klare Verhältnisse", verwies Prammer auf Aussagen von Prof. Max Friedrich, wonach es den Kindern nichts nütze, eine Scheingemeinschaft aufrecht zu erhalten, weil es bei jeder Trennung erst recht wieder zu Schmerzen kommen würde.

Weiters sei zu befürchten, dass die Männer künftig noch mehr Druck ausüben und das Spiel spielen "lässt Du mir beim Unterhalt was nach, dann darfst Du dafür die alleinige Obsorge haben". Das Problem, wonach der "Sieger" meistens jener Teil mit dem besseren Anwalt ist, werde verschärft. Der Streit um die Obsorge werde zur Geldfrage und bekanntlich seien Frauen "nicht die Bevorzugten des Lebens".

Auch unter einem anderen Gesichtspunkt sei die Regelung der gemeinsamen Obsorge "absurd", so Prammer. Während seitens der Regierung ständig von Verwaltungseinsparungen die Rede sei, werde die gemeinsame Obsorge zu enormer Mehrarbeit bei den Familiengerichten führen. Die Neuregelung sei de facto eine "Herausforderung, die Gerichte bis auf den letzten Punkt in Anspruch zu nehmen".

Der Verein der Amtsvormünder, so Elisabeth Paschinger, unterstütze die Tätigkeit der "Plattform für das Recht des Kindes auf klare Verhältnisse nach der Trennung", weil das Recht der Kinder durch die gemeinsame Obsorge massiv gefährdet sei. Konflikte könnten perpetuiert werden, neue Konflikte könnten entstehen, wenn die Obsorge beiden Elternteilen übertragen werde.

Nina Eckstein vom Verein österreichischer Juristinnen befürchtet, dass die gemeinsame Obsorge als Druckmittel verwendet wird und Frauen gezwungen werden, auf den Unterhalt zu verzichten. Die Grüne Gemeinderätin Jutta Sander berichtete, dass viele Frauen den Gang zum Rechtsanwalt scheuen, weil sie die Kosten nicht tragen könnten.

Die Journalistin Elfriede Hammerl vermutet, dass die Auswirkungen des Kindschaftsrechtsänderungsgesetzes von den Regierungsparteien "nicht wirklich bedacht wurden" - dies sei die "freundlichste Auslegung". Der Regierung sollte jedenfalls zu denken geben, dass sich so viele mit dieser Materie befassten Organisationen und Vereine der "Plattform für das Recht des Kindes auf klare Verhältnisse nach der Trennung" angeschlossen haben. Es gelte nun, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die sich gegen die einseitige Machtausübung richten. Hammerl: "Wir unterstellen nicht, dass Väter grundsätzlich Feinde ihrer Kinder sind, aber diese Regelung bereitet Feindschaften den Boden. Dagegen wollen wir uns wehren."

Die Broschüre "Keine Sorge mit der Obsorge" kann beim SPÖ-Aktionsbüro unter der Telefonnummer 07114/992000 gratis angefordert werden. (Schluss) se

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