"Neue Zeit" Kommentar: "Blauäugig" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 12. 4. 2001

Graz (OTS) - Der vom tschechischen Temelin-Bericht etwas anderes erwartet hatte, als das, was geliefert wurde, kann nur als "blauäugig" bezeichnet werden. Selbstverständlich investieren unsere Nachbarn nicht Milliarden in ein Atomkraftwerk, um dieses dann für gefährlich und dubios zu erklären.

Der so genannte "Melker Gipfel" mit Polit-Spitzen beider Länder hat möglicherweise von österreichischer Seite wirklich ernsthafte Absichten gehabt, die Tschechen waren in erster Linie bemüht, zu einer Deeskalation der angespannten Lage mit tagelangen Grenzblockaden zu kommen.

Viele Umweltschutzorganisationen haben bereits unmittelbar nach dem "Melker Abkommen" davor gewarnt, dass es sich um Spiegelfechterei handelt. Sie haben Recht behalten. Der Bericht über die Umweltverträglichkeit des Atomkraftwerkes Temelin ist zwar sehr umfangreich, enthält aber ganz wesentliche Punkte nicht. Den Tschechen ist nach Melk gelungen, was sie angestrebt haben. Die Grenzblockaden wurden ausgesetzt. Allerdings sollten auch sie sich nicht zu früh über einen vermeintlichen Erfolg freuen. Die Umweltorganisationen bemühen sich bereits, wieder eine gemeinsame Strategie gegen Temelin zu finden, wobei es durchaus wieder zu Blockaden kommen könnte.

Der "Melker Gipfel" war also auch für Tschechien nicht mehr als eine Verschnaufpause. Dass der Betrieb des Atomkraftwerkes allerdings noch gestoppt werden könnte, wäre von österreichischer Seite jedoch erneut "blauäugig".

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