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Klagenfurt (OTS) - Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Kleiner Mann, was nun?

Utl.: Ausgabe vom 11. Apr. 2001=

Im Gebälk der Koalition kracht es. Während der
Schweigekanzler gestern kurz sein Schweigen brach, um seiner Gelassenheit Ausdruck zu verleihen ("Es gibt überhaupt keine Schwierigkeiten") und für die Zukunft des Landes die Dominanz der "Herzlichkeit" visionierte, schlug FP-Klubobmann Westenthaler vor, vorerst einmal "das Hirn ausrauchen zu lassen". Vernebelt ist vieles. Und während sich der Kanzler nach kurzem Rundfunkauftritt ("Inhaltlich ist ja nichts passiert") wieder ins Schweigen zurückzog, gestattet sich die FPÖ nur einer Osterruhe. Dann werde ein "Think Tank" eingerichtet. Die FPÖ-Denkfabrik wird vor allem darüber nachdenken, wo der "kleine Mann" geblieben ist. Ihn verloren zu haben, geht ihr an jenes Herz, das sie laut Haider gar nicht hat. Aber bei allem Gerede vom "kleinen Mann" - bitte, wer ist das? Ist es nicht eine politische Beleidigung, den mündigen Bürger aus sozialer Willkür heraus "klein" zu nennen? Oder ist er deshalb "klein", weil er der FPÖ den Rücken gekehrt hat? Das Fatale ist, wer vom "Kleinen" spricht, hält sich selbst für groß. Politik, die sich an den "kleinen Mann" zu wenden vorgibt, leidet unter Selbstüberschätzung. Erst durch die politische Verwendung des Begriffes "kleiner Mann" wird soziale Schwäche zum Makel. Der "kleine Mann" lebt nicht im sozialen Unrecht, sondern im Makel des Rundum-zu-klein-Geratenen. Die "neue soziale Demokratie" der FPÖ spricht vom "kleinen Mann" da und "geistiger Elite" dort. Die Gleichwertigkeit des mündigen Bürgers ist ihr fremd. - So viel für den "Think Tank".

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