EU-Agrarminister denken an Risk-Management entlang der Lebensmittelkette

Längerfristig Überprüfung der derzeitigen EU-Impfpolitik

Östersund, 10. April 2001 (AIZ) - Nach der verheerenden Maul- und Klauenseuche soll die Impfpolitik in der Europäischen Union (EU) nach dem Willen zahlreicher Mitgliedsstaaten überprüft werden. Die 15 Agrarminister seien sich bei ihren Beratungen am Dienstag in Östersund allerdings einig gewesen, in der derzeitigen Krise am Impfverbot festzuhalten, sagte eine Sprecherin von EU-Verbraucherschutzkommissar David Byrne. Vorerst solle das Virus weiter durch Massentötungen bekämpft werden. Der zehn Jahre lang erfolgreiche Impfbann dürfe nicht "leichtfertig" aufgegeben werden, fügte sie hinzu. Die Krise droht für die EU-Kasse zudem deutlich teurer zu werden als bisher angenommen. Nach Angaben von Byrne könnte die Seuche den EU-Haushalt bis zu 250 Mio. Euro (ATS 3,44 Mrd.) kosten. Und selbst diese Zahl könne noch steigen, sagte er in Östersund. Vor einer Woche hatte Byrne vor dem EU-Parlament die Kosten noch auf 170 Mio. Euro (ATS 2,34 Mrd.) geschätzt. ****

Für die Mitgliedsstaaten hat die Lösung der Krise absolute Priorität, berichtete Werner Wutscher, Generalsekretär im Landwirtschaftsministerium, von den Ministergesprächen. Die gesetzten Maßnahmen werden vorerst weitergeführt. Erst wenn die Seuche erfolgreich bekämpft werden konnte, wollen die Agrarminister über eine Neubewertung des derzeitigen Systems sprechen. Kommission und Mitgliedsstaaten brachten bereits Denkanstöße ein, die die langen Transportwege und hohen Besatzdichten hinterfragen. Auch das Impfverbot ist für viele Mitgliedsstaaten nicht mehr unantastbar. Man will die Virusforschung im Bereich von neuen Markerstoffen intensivieren. Markerstoffe ermöglichen eine Unterscheidung zwischen geimpften und infizierten Tieren. Dies könne eine Abkehr vom derzeitigen Nein zu flächendeckenden Schutzimpfungen erlauben. Nach Einschätzung von Wutscher werden diese Aspekte zu "mittelfristigen" Diskussionen im Rat und in der Kommission führen. Doch vorerst wollen die Landwirtschaftsminister die Krise abwarten. Die Mitgliedsstaaten gehen von einer "leichten Entspannung" aus. So sind die Fälle der Neuerkrankungen in Großbritannien von 60 bis 70 pro Tag auf 20 bis 30 zurückgefallen. In Frankreich scheint die Seuche eingedämmt zu sein.

"Ein Null-Prozent-Risiko gibt es nicht"

Das Vertrauen der Konsumenten in Lebensmittel soll wiederhergestellt werden, so der Grundtenor der Agrarminister anlässlich der Diskussion rund um Lebensmittelsicherheit. In den Beratungen haben sich die Agrarminister auf ein Risk-Management verständigt, welches jedes Glied der Nahrungsmittelkette erfassen soll. Den Konsumenten soll veranschaulicht werden, dass "das Bestmögliche" unternommen wird, um Sicherheit und Transparenz zu gewährleisten. Doch gelte es auch, den Verbrauchern "eine realistische Sicht der Dinge" zu vermitteln. "Alle glauben, es gibt ein Null-Prozent-Risiko. Das ist aber in keinem Bereich des Lebens möglich und auch nicht in der Nahrungsmittelproduktionskette", betonte Wutscher. Restrisiken seien zu minimieren, können aber nicht gänzlich vermieden werden.

Auf Grund der Tierkrankheiten BSE sowie Maul- und Klauenseuche (MKS) geriet vor allem die industrielle Landwirtschaft ins Kreuzfeuer der Kritik. "Immer mehr Menschen haben Bedenken wegen der Produktionsverfahren in den landwirtschaftlichen Betrieben und den Verarbeitungsunternehmen. Wir unterstützen diesen gesellschaftlichen Wandel", sagte Byrne in Östersund. Beobachtern zufolge werde immer klarer, dass die Intensiv-Landwirtschaft, die Wettbewerbsfähigkeit und die Betriebsgrößen eine zentrale Rolle bei der "Halbzeitprüfung" oder "Mid-term-Review 2001" der Agenda 2000 spielen dürften. So hat EU-Agrarkommissar Franz Fischler am Rande des informellen Agrarrats signalisiert, dass der Review "mehr" sein werde als "eine bloße Bewertung" der derzeitigen Agrarpolitik.
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